Fußball-WM Spezial: Interview Michael Barenboim

„Die meisten Musiker haben Angst um ihre Hände“

In unserem concerti-Spezial zur Fußball-WM 2018 lassen wir mehr oder weniger ballverrückte Künstler zu Wort kommen. Heute: Geiger Michael Barenboim

© Marcus Hoehn

Michael Barenboim

Michael Barenboim

Obwohl er in Berlin zuhause ist, würde man Michael Barenboim wohl kaum als Berliner Pflanze bezeichnen – seine Familie hat argentinische und russische Wurzeln, er selbst wurde in Frankreich geboren und lebt in Deutschland. Wer könnte also ein besserer Ansprechpartner sein, wenn es um die WM in Russland geht? Denn so, wie das große Mannschafts-Turnier die Besten aus vielen Ländern auf dem Rasen versammelt, spiegelt es sich in Michael Barenboims Genen und auf seinem musikalischen Lebensweg wider. Auf welcher Spielerposition er sich sieht und was das für ihn legendärste Spiel war, hat er uns im Interview verraten.

Für welches Team drückst du bei der WM die Daumen und warum?

Michael Barenboim: Ich bin bei Nationalmannschafts-Turnieren neutral. Das ist mit einem argentinischen Vater, einer russischen Mutter, dem Geburtsort in Frankreich und einem Lebensmittelpunkt in Deutschland vermutlich auch normal.

Und wer, glaubst du, gewinnt?

Barenboim: Bei K.-O.-Turnieren spielt generell Glück eine ziemlich große Rolle. Frankreich hat einen hochtalentierten Kader, Spanien ist wie immer perfekt eingespielt, Brasilien hat sich wohl wieder gefangen und Argentinien hat Lionel Messi. Und den Titelverteidiger Deutschland gibt es ja auch noch. Vielleicht gibt es dieses Mal ja eine Überraschung. Ich erwarte dennoch, dass es einer von diesen Favoriten wird.

Wer ist für dich die größte Fußball-Legende?

Barenboim: Eindeutig Johan Cruyff. Er hat durch seine Spielweise ganze Generationen geprägt.

Und was war das legendärste Spiel?

Barenboim: Wenn man diese Frage auf Weltmeisterschaften beschränkt, gibt es mehrere Optionen. Wenn wir in der Aktualität bleiben wollen, kann sich, glaube ich, jeder an das 7:1 Deutschland gegen Brasilien erinnern. So etwas sieht man nur einmal im Leben.

Welches klassische Stück wäre die perfekte Alternative für die Nationalhymne deines Lieblingsteams?

Barenboim: Es gibt Hymnen, die durchaus mit klassischer Musik mithalten können, zum Beispiel die Argentinische.

11 Freunde sollt ihr sein – mit welchen Musikern wärst du gerne in einer Mannschaft?

Barenboim: Ich weiß von meinen Kollegen nicht, wie sie Fußball spielen. Die meisten vermutlich besser als ich.

Und auf welcher Position würdest du spielen?

Barenboim: Da, wo ich am wenigsten Schaden anrichten kann. 2. Torwart.

Und wer steht im Tor?

Barenboim: Der, der sich traut. Die meisten Musiker haben Angst um ihre Hände.

Welches klassische Stück Musik entspricht am ehesten einem Fußballspiel und warum?

Barenboim: Kommt auf das Spiel an. Ein Fußballspiel ist ein andauernder Prozess, in dem es im Grunde sehr selten eine entscheidende Veränderung gibt, also ein Tor. Es gibt zu jedem Szenario vermutlich ein passendes Musikstück. Ein Spiel wie das Finale von 2010 wäre so ähnlich wie der „Bolero“ von Ravel zum Beispiel, nur viel länger.

Termine

Sonntag, 27.09.2020 16:30 Uhr Meistersingerhalle Nürnberg

Michael Barenboim, Nürnberger Symphoniker, Kahchun Wong

Schostakowitsch: Festliche Ouvertüre op. 96, Beethoven: Violinkonzert D-Dur op. 61, Dvořák: Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Donnerstag, 07.01.2021 20:00 Uhr Gasteig München

Michael Barenboim, Kian Soltani, Daniel Barenboim

Beethoven: Klaviertrios Es-Dur op. 1/1, D-Dur op. 70/1 „Geistertrio“ & c-Moll op. 1/3

Montag, 20.04.2026 11:30 Uhr Jüdisches Museum Berlin
Dienstag, 20.04.2027 19:30 Uhr Jüdisches Museum Berlin

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