Wenn hier im Norden die ersten Akkorde von „Die Wege Bachs“ erklingen, feiert das Ensemble Pygmalion nicht nur ein Programm, das als Festival bezeichnet werden kann. Das Projekt markiert den 20. Geburtstag dieser Formation, die unter Raphaël Pichon die Barockmusik ins Zentrum der Gegenwart gerückt hat. Seit der Gründung 2006 erarbeiteten sich die Musikerinnen und Musiker eine Identität, die technische Brillanz mit Leidenschaft verbindet. Das Jubiläum widmet sich einem außergewöhnlichen Ereignis der Musikgeschichte: der Reise des jungen Johann Sebastian Bach entlang der alten römischen Salzstraße von Arnstadt nach Lübeck. Zu Fuß legte er hunderte Kilometer zurück, um Dietrich Buxtehude zu hören.
Diese Wanderung war eine künstlerische Initiation. Pygmalion zeichnet den Weg nun musikalisch nach und stellt Bach-Kantaten den Werken seines Vorbilds und anderen Zeitgenossen gegenüber. Das Projekt ist als Festival mit starkem Bewegungsanteil konzipiert. An den verschiedenen Stationen der Route erklingen unterschiedliche Programme, die jeweils andere Facetten von Bachs Reifeprozess beleuchten. Zwischen den Konzerten wird tatsächlich gemeinsam gewandert. Die physische Erfahrung des Weges und die Entschleunigung werden so zum Teil der Kunst. Diese Verbindung aus Natur und Musik spiegelt die Reise von Pygmalion wider: ein Ensemble, das seit 20 Jahren niemals stillsteht.




