Startseite » Konzert » Klage, Leid und Krise

Tonhalle Zürich: Hilary Hahn mit Schostakowitschs Erstem Violinkonzert

Klage, Leid und Krise

Drei Werke aus dem 20. Jahrhundert stehen beim Tonhalle-Orchester Zürich und Hilary Hahn auf dem Programm, die von existenziellen Krisen ihrer Komponisten zeugen.

vonBenjamin Elsholz,

Auch in der Passionszeit muss Musik keinen geistlichen Bezug haben, um menschliches Leiden hörbar zu machen, wie alle drei Werke des Zürcher Konzertabends beweisen. Den Anfang macht Gustav Mahler. Er litt 1910 kurz vor seinem Tod nicht nur an einem schwachen Herzen, sondern auch unter der Untreue seiner Frau Alma, die der einengenden Ehe durch eine Affäre entfloh. Der Liebeskummer prägt seine unvollendete zehnte Sinfonie. Nur den ersten Satz, das Adagio, orchestrierte er selbst und eröffnete ihn mit einem melancholischen Bratschen-Unisono. Eine besondere Rolle nimmt die Bratsche ebenfalls in Arthur Honeggers zweiter Sinfonie ein, die rund 30 Jahre später in Paris unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs entstand: Ihr klagendes Dreitonmotiv erklingt zu Beginn und an zentralen Stellen des Stücks.

Anzeige

Eine Kraftprobe für Hilary Hahn

Wenige Jahre später stand Dmitri Schostakowitsch trotz Kriegsende unter großem Druck. Das Stalin-Regime drohte ihm mit Berufsverbot. Einige Werke entstanden in Folge bewusst konformistisch – sein erstes Violinkonzert jedoch nicht, weshalb es zunächst unveröffentlicht blieb. Erst 1955 wurde das düstere, teils aggressive Werk von David Oistrach uraufgeführt, der den Komponisten vorher bat, ihm im anstrengenden Solopart ein paar Sekunden Pause zu gewähren. Auch damit bleibt das 40-minütige Werk eine große Herausforderung für jede Solistin. Für Hilary Hahn in Zürich allerdings eine dankbare: Die Amerikanerin hat das Konzert bereits vor über 20 Jahren aufgenommen.

Anzeige

Termine

Auch interessant

Rezensionen

Anzeige
Anzeige

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!

Anzeige