Mit Gerd Natschinskis „Messeschlager Gisela“ landeten die Komische Oper und Axel Ranisch vor zwei Jahren im Zelt vorm Roten Rathaus einen Coup. Es war logisch, dass man dessen Erfolgsmusical „Mein Freund Bunbury“ folgen lassen wollte. Wurde aber nichts. Berlin halt. Jetzt gab es im Schillertheater „Mokka-Hits und Milchbar-Träume“ – so haben Multitalent Axel Ranisch und Adam Benzwi ihre Revue betitelt, mit der die Komische Oper Berlin jetzt aufs Spielzeitende zusteuert.
Dieser enthusiastisch bejubelte Volltreffer beim Publikum klingt nach der berühmten Mokka-Milch-Eisbar in der Karl-Marx-Alle, die gerade wiedereröffnet worden ist. Und nach dem dazu passenden Song von Thomas Natschinski. Der natürlich zu dieser DDR-Revue gehört. Überm Eingang des Schillertheaters läuft als Untertitel des Abends: „EIN KESSEL BUNTES UNTER DRUCK“. Das trifft die Ambition des Abends, der seinen mitreißenden Charme als pure Unterhaltung des Erinnerns entfaltet, aber eben auch die Wirklichkeit nicht aus-, sondern immer wieder einblendet. Ranisch hatte schon im Vorfeld klargestellt: „Es geht nicht darum, das System wertzuschätzen, … aber die Menschen, die darin gelebt haben.“

Von der Nachkriegsstunde Null bis zum Mauerfall
Band und das Orchester der Komischen Oper spielen auf der Bühne, auf der Saskia Wunsch eine imposante Revuetreppe und Glamourvorhänge platziert hat. Die Idee einer Rahmenhandlung wurde verworfen, die Chronologie, die locker chronologisch von der Nachkriegsstunde Null bis zum Mauerfall führt, reicht für die mit Tempo, Schmiss und (Diestel-)spitzer Berliner Schnauze abgespulte Show. Wenn die im Jahr 1961 angekommen ist, wird jede Unterhaltung zu einem trotzigen Aufbegehren im Schatten der Mauer. Die liefert von da an dann den Hintergrund der Bühne. Inklusive des als solchen choreografierten Propagandasongs „Im Sommer 61“ mit dem zynischen Refrain „Klappe zu, Affe tot“. Thorsten Merten steuert als meist authentisch flapsiger Ossi vom Dienst mit Günter Litfin den Namen des ersten Mauertoten bei. Der Chor lässt ziemlich verhalten die Kinderhymne von Brecht und Eisler „Anmut sparet nicht noch Mühe“ folgen.

Schöner Schein, bunte Show, graue Wirklichkeit
In einer sensiblen Balance von schönem Schein, bunter Show und grauer Wirklichkeit gibt’s zu Karel Gotts geradezu subversivem „Einmal um die ganze Welt“ im Hintergrund Menschen mit Losungen, die Dubčeks Sozialismus hochleben lassen. So lange jedenfalls, bis sie von Uniformierten abgedrängt werden. Die Mauer wirft ihren Schatten, und man versucht dagegen anzusingen, zu tanzen, zu leben. Bis dann ein Mauersegment entschwebt und sie für alle offen steht.

In dem geschickten Mix aus den von Benzwi immer originell ins Eigene gehobenen Hits haben eine große Lipsi-Nummer (samt offizieller Erläuterung, was diese Kreation bewirken sollte) genauso ihren Logenplatz wie der Frank Schöbel und Chris Dirk Filmhit „Heißer Sommer“ mit der Musik von Gerd und Thomas Natschinski. Alles in einer entsprechenden Kostümierung, bei der Alfred Mayerhofer nicht viel übertreiben muss, um seine Lacher einzufahren. Davon profitiert auch das Ballett der Komischen Oper in seinem von Christopher Tölle choreografierten Dauereinsatz!
Ein großer Kessel Buntes
Ein Schmankerl sind die Auftritte der West-Stars im Kessel Buntes. Allein schon wie Gisa Flake Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ oder Romina Powers „Felicità“ liebevoll als Beinahe-Parodie serviert, ist eine Show für sich. Reinhard Lakomys „Das Haus, wo ich wohne“, Günther Fischers Solo „Sunny Song“ oder das „Wenn ein Mensch lebt“ von den Phudys – das lässt die Herzen im Saal höher schlagen und heizt die Stimmung an. Am Ende wurden sie alle bejubelt. Bei den Protagonisten neben Falke und Merten auch Maria-Danae Bansen, Mirka Wagner, Philipp Meierhöfer, Johannes Danz und Nico Holonics. Aber natürlich auch das fabelhafte Ballett, die von Inga Diestel einstudierten Chöre, die Musiker und das Regieteam!

Dialektischer Witz
Ranisch ist hier eine Revue gelungen, die mit geradezu dialektischem Witz nicht nur an die DDR erinnert, wie sie viele ihrer Bürger gerne gehabt hätten, sondern auch das mitdenkt, was sie daneben im Alltag auch war. Ohne (N)ostalgie, aber auch ohne Besserwisserei, vor allem nie denunziatorisch. Dass Ostdeutsche dabei einen Erfahrungsvorsprung haben, versteht sich von selbst. Gejubelt haben im Westberliner Schillertheater aber offensichtlich auch die Zuschauer, für die da ein Quantum Weiterbildung dabei war.
Komische Oper Berlin
Ranisch & Benzwi: Mokka-Hits und Michbar-Träume
Adam Benzwi (Leitung & Arrangement), Axel Ranisch (Szenische Einrichtung), Saskia Wunsch (Bühne), Alfred Mayerhofer (Kostüme), Christopher Tölle (Choreografie), Wolfgang Behrens & Knut Elstermann (Dramaturgie), Johannes Scherfling (Licht), Maria-Danaé Bansen, Gisa Flake, Mirka Wagner, Johannes Dunz, Philipp Meierhöfer, Nico Holonics, Thorsten Merten, Orchester der Komischen Oper Berlin
Mi., 17. Juni 2026 19:00 Uhr
Musiktheater
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
Maria-Danaé Bansen (Gesang), Gisa Flake (Gesang), Mirka Wagner (Gesang), Johannes Dunz (Gesang), Philipp Meierhöfer (Gesang), Nico Holonics (Gesang), Thorsten Merten (Gesang), Adam Benzwi (Leitung), Axel Ranisch (Regie)
Fr., 19. Juni 2026 19:00 Uhr
Musiktheater
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
Maria-Danaé Bansen (Gesang), Gisa Flake (Gesang), Mirka Wagner (Gesang), Johannes Dunz (Gesang), Philipp Meierhöfer (Gesang), Nico Holonics (Gesang), Thorsten Merten (Gesang), Adam Benzwi (Leitung), Axel Ranisch (Regie)
Sa., 20. Juni 2026 19:00 Uhr
Musiktheater
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
Maria-Danaé Bansen (Gesang), Gisa Flake (Gesang), Mirka Wagner (Gesang), Johannes Dunz (Gesang), Philipp Meierhöfer (Gesang), Nico Holonics (Gesang), Thorsten Merten (Gesang), Adam Benzwi (Leitung), Axel Ranisch (Regie)
Mi., 24. Juni 2026 19:00 Uhr
Musiktheater
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
Maria-Danaé Bansen (Gesang), Gisa Flake (Gesang), Mirka Wagner (Gesang), Johannes Dunz (Gesang), Philipp Meierhöfer (Gesang), Nico Holonics (Gesang), Thorsten Merten (Gesang), Adam Benzwi (Leitung), Axel Ranisch (Regie)
Fr., 26. Juni 2026 19:00 Uhr
Musiktheater
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
Maria-Danaé Bansen (Gesang), Gisa Flake (Gesang), Mirka Wagner (Gesang), Johannes Dunz (Gesang), Philipp Meierhöfer (Gesang), Nico Holonics (Gesang), Thorsten Merten (Gesang), Adam Benzwi (Leitung), Axel Ranisch (Regie)




