Opern-Tipps im Sommer 2023

Sommernachtsträume

Die Opern-Tipps im Juli und August folgen den wichtigen Festivals von Heidenheim über Bayreuth und München nach Salzburg und Bregenz.

© Bregenzer Festspiele/Ralph Larmann

Puccinis „Madama Butterfly“ ist ein weiteres Mal auf der Bregenzer Seebühne zu erleben

Wer in diesen Sommertagen klimafreundlich korrekt mit dem Zug zu den Opernfestivals pilgert, hat die Qual der Wahl. Und erlebt bei der Ankunft am Bahnhof von Bayreuth, Bregenz oder Heidenheim dennoch stets ein Déjà-vu. Schließlich landet man in allen drei Fällen in so gar nicht weltstädtischem Ambiente, trifft stattdessen zunächst auf die durchaus verwechselbare kleine Welt aus Dönerimbiss und Zeitungskiosk, tritt also in den Kosmos von Provinznestern ein. Und gerade hier sollen wir nun ausgesucht schönen Sängerstimmen, stolzen Maestri und krassen Regisseuren begegnen?

Es ist nun gerade die Kontrast­dynamik aus tiefenentspannter Kleinstadtatmosphäre und hochfliegender künstlerischer Größe, die den Festivals ihren eigentlichen und höchst relevanten Charakter verleiht. Die Beschaulichkeit der Orte verändert das Schauen und Hören von Verdi und Wagner ganz entscheidend. Statt per Abonne­ment verordnetem regelmäßigen Kulturkonsum wird das Lauschen einer Arie auf einmal wieder verblüffend neu. Da lassen wir uns gleichsam unschuldig darauf ein, was uns ein „Parsifal“, ein „Don Carlo“, eine „Madama Butterfly“ wirklich zu sagen haben. Wo die Kunst nicht alltäglich ist, da wird sie zum Fest, da trifft sie uns in unserem Innersten, da verwandelt sie uns.

Das Glück der Visionäre

Die Natur in den Freiluftspielstätten spielt dabei ebenso mit, wie der Weg bereits das Ziel ist. In Heidenheim schreitet man die letzten Meter hinauf zur Rittersaal-Ruine zwingend zu Fuß – durch den stimmungsvollen Hofplatz vorbei am Renaissance-Schloss, um schließlich einzutreten in die imposanten Mauerreste der Burg Hellenstein. Von ihr stehen gerade noch so viele resonanzgebende Seitenwände, dass die Sänger bestens zu vernehmen sind. Auch der gestirnte Abendhimmel spielt gnädig mit – das in der Schwäbischen Alb oft befürchtete Gewitter macht meist musen­gnädig einen Bogen um den Schlossberg. Marcus Bosch hat das Glück der Visionäre. Der dirigierende Intendant bringt das traditionsreiche regionale Opernfestival auf Expansions- und Exzellenzkurs und damit vollends auf die Landkarte der besten Sommerfestivals.

© Oliver Vogel

Ein Hauch von Glyndebourne weht durch die Rittersaal-Ruine auf Schloss Hellenstein in Heidenheim

Ein Hauch von Glyndebourne weht durch die Rittersaal-Ruine auf Schloss Hellenstein in Heidenheim

Mancher Fan schwärmt schon von der süddeutschen Variante der Festspiele im südenglischen Glyndebourne. Die Atmosphäre in der Rittersaal-Ruine und ihrem weitläufigen Umfeld ist auf ganz andere Weise herrlich wie der rosengezierte Picknick-Park in East Sussex. Auf der Alb steht diesmal ein doppelter Verdi auf dem Programm. Die Serie der Frühwerke setzt Bosch mit „Giovanna d’Arco“ fort. Und mit dem „Don Carlo“ steht eine Schiller-Oper im Mittelpunkt, die Bosch nach dem starken „Tannhäuser“ erneut Regisseur Georg Schmidtleitner anvertraut hat. Auf diesem anderen Grünen Hügel paart sich auf sympathische Weise höchste Professionalität mit einem festival-familiären Do-it-Yourself-Geist: Das ­Authentische, nicht das Gewollte, hier wird’s Ereignis.

Wasser, Wind und Mond

Weiter geht’s gen Westen, wo wir über Lindau schnell in Bregenz einfahren. Für das Spiel auf dem See – in diesem Jahr erneut Andreas Homokis ­Inszenierung von Puccinis „Madama Butterfly“ – haben Wasser, Wind und Mond ebenso eine Hauptrolle inne wie die dreifach alternierenden Sängerinnen der japanischen Geisha. Auch am Bodensee ergänzt mit dem „Ernani“ ein früher Verdi das Opernprogramm.

Von hier – das Naturparadies von Vorarlberg mit seiner ­Poesie der Bergwelt lädt natürlich zum zusätzlichen Verweilen ein – rollt der persönliche Opernfestspielzug hoffentlich pünktlich weiter: nach München (zwei Stunden), nach Salzburg (vier Stunden) oder doch nach Bayreuth (viereinhalb Stunden). Die Qual der Wahl bleibt.

Schloss Hellenstein - Opernfestspiele Heidenheim

Opernfestspiele Heidenheim

10. Juni bis 28. Juli 2024

1964 als Schloss-Serenaden in der offenen Burgruine auf Schloss Hellenstein gegründet, gehören die Opernfestspiele Heidenheim heute zu den Opernhighlighs in Baden-Würtemberg. weiter

Festspielhaus Bayreuth

Bayreuther Festspiele

25. Juli bis 27. August 2024

Die Bayreuther Festspiele werden in diesem Jahr am 25. Juli mit „Tristan und Isolde “ in einer Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson und unter der musikalischen Leitung von Semyon Bychkov eröffnet. weiter

Die Bregenzer Festspiele bieten ein Opern-Erlebnis in traumhafter Kulisse

Bregenzer Festspiele

17. Juli bis 18. August 2024

Seit 1946 präsentieren die Bregenzer Festspiele während fünf Sommerwochen Opern, Konzerte und Theatergastspiele. Das Spiel auf dem See findet dabei auf der weltweit größten Seebühne statt. weiter

Aussicht auf Salzburg vom Festspielhaus

Salzburger Festspiele

19. Juli bis 31. August 2024

Die Salzburger Festspiele fanden 1920 erstmals statt und zählen zu den weltweit wichtigsten Festivals für Musik und Schauspiel. Zwischen Juli und August versammelt sich das Who’s who der Klassikszene in der österreichischen Großstadt. weiter

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