Porträt Cristina Gómez Godoy

Gefühlvolle Gestalterin

Die spanische Oboistin Cristina Gómez Godoy haucht den großen Konzerten ihres Fachs neues Leben ein und ist auch als Kammermusikerin gefragt.

© Felix Broede

Cristina Gómez Godoy spielt Oboe seit ihrem zehnten Lebensjahr

Cristina Gómez Godoy spielt Oboe seit ihrem zehnten Lebensjahr

„Ich muss noch dringend Rohre bauen!“ Wer diesen Satz im Kreise von Kollegen hört, ist entweder Installateur – oder Oboist. Ist eine große Fingerfertigkeit Grundvoraussetzungen für jeden Musiker, braucht der Oboist dazu noch handwerkliches Geschick. Denn das in der Regel selbstgefertigte Rohr, das ihm als Mundstück dient, ist ein unentbehrliches Utensil, das entscheidend zur reibungslosen Spielbarkeit des Instruments beiträgt. Cristina Gómez Godoy weiß das nur zu gut. Ermutigt von ihren Freundinnen, begann die Spanierin als Zehnjährige mit dem Unterricht auf dem Doppelrohrblattinstrument, studierte in Jaen und Sevilla, später in Rostock bei Gregor Witt. Als Studentin an der Barenboim-Said Akademie musizierte sie schon früh im West-Eastern Divan Orchestra. Mit 21 Jahren wurde sie Mitglied der ebenfalls von Daniel Barenboim geleiteten Staatskapelle Berlin, zuerst als Solo-Englischhornistin. Seit 2013 leiht sie dem Ensemble als Erste Solo-Oboistin den warmen, klaren Ton ihres Holzblasinstruments.

Als technische souveräne, gefühlvolle Gestalterin erweist die heute 32-Jährige sich auch im Bereich der Kammermusik. Mit ihrem Klavierpartner Michail Lifits debütierte sie 2019 in der New Yorker Carnegie Hall und im Berliner Pierre Boulez Saal, während sie mit ihrem jüngst erschienenen Debüt-Album als Solistin an alte Bande anknüpft: Mit dem West-Eastern Divan Orchestra haucht sie den Oboenkonzerten von Mozart und Strauss neues Leben ein – jenen Stücken, die einst den Wunsch in ihr weckten, Oboistin zu werden und denen sie eine farbenreiche Intonation mit vielen klanglichen Abstufungen angedeihen lässt. Als „ECHO Rising Star“ war Cristina Gómez Godoy in der letzten Saison an den wichtigsten europäischen Konzerthäusern zu erleben. Als „Junge Wilde“ hat das Konzerthaus Dortmund sie nun für drei Spielzeiten verpflichtet. In Rahmen dieses Programms können junge aufstrebende Musiker, die den Anfang einer vielversprechenden Solistenkarriere bereits hinter sich gelassen haben, ihre künstlerischen Qualitäten auf vielfältige Weise entfalten und in Education-Projekte einfließen lassen. Vielleicht zeigt Godoy dem Nachwuchs dann auch, wie man aus Bambus, Kork, Garn und Messingdraht Oboenrohre baut.

Termine

Sonntag, 12.03.2023 16:00 Uhr Kölner Philharmonie

Cristina Gómez Godoy, Sara Ferrández, Mario Häring

Mozart: Trio Es-Dur KV 498 „Kegelstatt-Trio“, Ravel: Sonatine, Saint-Saëns: Oboensonate D-Dur op. 166, Bruch: Acht Stücke op. 83, Bray: This or Eden, Kahn: Serenade op. 73

Sonntag, 16.07.2023 17:00 Uhr Friedenskirche Potsdam

Italienische Nacht

Brandenburgische Sommerkonzerte

Rezensionen

Rezension Cristina Gómez Godoy – Mozart & R. Strauss

Große Klangfantasie

Bei den Solokonzerten von Mozart und R. Strauss setzt Cristina Gómez Godoy ihre Oboe stilistisch perfekt ein. Das West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim erweist sich dabei als einfühlsamer Partner. weiter

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