Pianistin Annika Treutler im Porträt

Sind es die Gene oder war es der Flügel von Horowitz?

Annika Treutler versprüht das Kolorit des Orients in Saint-Saëns’ „Ägyptischem Konzert“

© Neda Navae

Annika Treutler

Annika Treutler

Manchmal sind es die Gene. Oder ist es doch der Flügel von Horowitz? Oder gar Detmold? Nun, von Anfang an: „Da meine Eltern beide Berufsmusiker sind, bin ich mit klassischer Musik aufgewachsen. Den ganzen Tag über kamen und gingen Schüler, abends beim Einschlafen übte meine Mutter oft. Mein älterer Bruder hat Cello gespielt, und ich wollte mit vier Jahren unbedingt Klavierunterricht bekommen.“

Solokarriere statt Musikschule

Annika Treutler setzte sich durch, gegen den Willen ihrer Eltern, die zunächst meinten, es sei noch zu früh für ihre Tochter. Annika übte, nahm Unterricht. „Meine Musiklehrerin, die mich im sehr prägenden Alter zwischen elf und sechzehn Jahren unterrichtet hat, hat mich ermutigt, dass mein Talent groß genug für eine Solo-Karriere ist.“

Die Idee gefiel ihr, zumal sie vorher noch glaubte, dass sie wie ihre Eltern eher Unterricht geben würde, statt solistisch aufzutreten. Ihr Studium bei Matthias Kirschnereit an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock schloss sie mit nur 21 Jahren ab – mit Höchstpunktzahl.

© Neda Navae

Annika Treutler

Annika Treutler

Sie singt auf ihrem Klavier

Meisterkurse bei Elisabeth Leonskaja und Murray Perahia verfeinerten ihr Spiel. Und sie durfte Bekanntschaft mit dem Geist von Vladimir Horowitz machen. Vor der Einspielung ihrer Debüt-CD 2013 mit Fantasiestücken von Robert Schumann hatte sie die Gelegenheit, den Konzertflügel auszuprobieren, der in der New Yorker Wohnung des legendären Pianisten stand. „Ich hatte das Gefühl, Horowitz schaut mir über die Schulter“, erinnert sich Treutler. Das Ergebnis kann man hören. „Die Interpretationen sind so rund, so ansprechend und inspirierend, dass man diese CD ständig in der Frühlingssonne hören möchte“, hieß es damals in einer concerti-Rezension.

Es ist jenes Mirakel, das Unsichtbare, das man hört. Über ihre Gene meint Treutler nur lapidar: „Mein Vater ist Sänger, hat mir aber leider keine gute Stimme vererbt.“ Braucht sie auch nicht, denn sie hat ja das Klavier. „Ich liebe es, auf dem Instrument zu singen.“ Und was ist mit Detmold? „Ich bin in Detmold aufgewachsen, wo Brahms gelebt und gewirkt hat“, erklärt die mehrfach ausgezeichnete Pianistin. „Vielleicht habe ich dort seinen Geist aufgesogen.“ Sie lacht und freut sich, dass im Mai ihre neue CD mit Werken des Komponisten erscheinen wird.

Annika Treutler spielt Chopins „Prélude“ op. 24/13:

concerti-Tipp:

4. Sinfoniekonzert
So. 15.4., 19:00 Uhr
Annika Treutler (Klavier), TfN-Philharmonie, Anja Bihlmaier (Leitung)
Dukas: Ouvertüre zu „Götz von Berlichingen“, Saint-Saëns: Klavierkonzert Nr. 5, Dvořák: Sinfonie Nr. 8 G-Dur
Ort: Theater für Niedersachsen

CD-Tipp

Schumann: Fantasiestücke op. 12
Annika Treutler (Klavier)
Genuin Classics

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