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Porträt Torleif Thedéen

Er braucht sich vor den Größten nicht zu verstecken

Der schwedische Cellist Torleif Thedéen verführt mit Tiefgang und Detailarbeit.

vonChristian Schmidt,

Schon hierzulande ist die Cellisten-Liste geradezu unübersehbar lang. Damit haben es Solisten aus anderen Ländern oder gar Kontinenten, wenn sie nicht gerade außergewöhnlich bekannte Stars sind, extrem schwer, im gleichwohl wieder üppig gewordenen hiesigen Konzertleben wahrgenommen zu werden. Nicht von ungefähr hört man daher Namen aus Skandinavien ungerechterweise eher selten, und zwar unbesehen des musikalischen Fachs, seien es also nun Sänger, Dirigenten oder Instrumentalisten. Dabei ist die Szene dort, gemessen an der Einwohnerdichte, auch nicht viel kleiner als hier, und umgekehrt muss man schon wirklich sehr gut sein, wenn man in Schweden, Norwegen oder Dänemark reüssieren will.

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Einer, der mit frühen Erfolgen schnell durchstartete, ist der Schwede Torleif Thedéen. Bereits im zarten Alter von 23 Jahren gewann er 1985 gleich drei international renommierte Cellowettbewerbe und schaffte es in der Folgezeit zu bedeutenden Orchestern und Bühnen über ganz Europa hinaus bis nach New York oder Sydney. Auch als Kammermusiker ist der heute 60-Jährige noch aktiv wie zuweilen auf dem Plattenmarkt, gern mit ausgefallenen Werken abseits des gängigen Repertoires. So nahm er etwa Werke seines Landsmanns Sven-David Sandström, von Alfred Schnittke oder Ernest Bloch auf.

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Wird auch als Pädagoge geschätzt: Torleif Thedéen

Dabei pflegt der eher stille, sympathische Musiker das Understatement, ist kein Superselbstverkäufer wie manch andere Solisten seines Niveaus, die nur zu gern in jede Kamera lächeln, die sich ihnen auf hundert Schritt nähert. Medial allzu klingelndes Aufbauschen seiner Person ist ihm fremd – zugunsten des musikalischen Tiefgangs.

Entsprechend geschätzt wird Thedéen daher vor allem auch als Pädagoge, sowohl in Skandinavien als auch fern der Heimat: Er ist nicht nur Professor an der Norwegischen Musikakademie in Oslo, sondern darüber hinaus auch Gastprofessor für Cello am Royal College of Music in London. Auch über den Dozenten gut besuchter Meisterkurse, etwa am Lincoln Center in New York, äußern sich die Studierenden mit Blick auf seine musikalisch tiefgründige Detailarbeit und die gedankenvolle Ruhe begeistert. Intensität ohne Effekthascherei – das ist seit jeher Torleif Thedéens Kerngeschäft.

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