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Grand Théâtre de Genève stellt Spielzeit 2026/27 vor

Land in Sicht!

Mit Fokus auf den Gründungsmythos der USA und geschärftem Blick gen Westen tritt Alain Perroux die Nachfolge von Aviel Cahn als Intendant des Grand Théâtre de Genève an. Die Spielzeit 2026/27 bietet aber auch ein farbenfrohes Bouquet an bekannten und beliebten Werken.

vonPeter Krause,

In seiner ersten Saison als Intendant des Grand Théâtre de Genève schaut Alain Perroux beherzt nach Westen und bezieht den Gründungsmythos der USA auf das Musiktheater und seine Kraft der ständigen Erneuerung und Grenzsprengung. Die „New Frontier“ der Neuen Welt also spiegelt sich in seiner Opernreise in unbekanntes Terrain – teils metaphorisch, teils programmatisch explizit. Die Spielzeit 2026/27 bietet aber auch Bekanntes und Beliebtes – seine Expedition führt von der Barockoper, über Erstaufführungen mit direktem Bezug zu seiner Geburtsstadt Genf bis zum Musical.

„Nouveaux mondes“, neue Welten also, möchte Alain Perroux als neuer Intendant des Grand Théâtre de Genève erkunden. Der Nachfolger von Aviel Cahn, der seinerseits zur Saison 2026/27 an die Deutsche Oper Berlin wechselt, verspricht eine aufregende Reise, die für die Dauer eines Opern- und Ballettbesuchs gleichsam auf eine Insel führt: „Jeder Theaterbesuch gleicht einer Reise in unbekanntes Terrain. Für einen Abend lang ermöglicht diese Expedition, den Alltag hinter sich zu lassen, um neue Welten zu erkunden. Die Spielzeit 2026/27 des Grand Théâtre de Genève, die in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich zu werden verspricht, ist eine Einladung, diese vielfältigen Territorien zu bereisen.“

Welten entdecken

Mal sind es utopische Orte wie die Insel, auf der der Zauberer Prospero herrscht, oder das Eldorado aus „Candide“, manchmal ist es die Neue Welt im wahrsten Sinne des Wortes, bevölkert von ruppigen Cowboys und der sie zu edleren Menschen erziehenden Minnie aus Puccinis „La fanciulla del West“. Mal sind es spirituelle Welten, jene der ersten Christen in Händels „Theodora“, die Geister des Nō-Theaters, die die Komponistin Kaija Saariaho in „Only the Sound Remains“ heraufbeschwört, oder auch die beiden Choreografien in „Océans“, wo das Wasser als Element des zu überwindenden Widerstands und der Flucht konkret mitspielt. All diese Welten werden vereint, um uns daran zu erinnern, dass Oper und Tanz die Fähigkeit besitzen, fantastische Räume zu entfalten und uns im wahrsten Sinne des Wortes zu entführen.

Dem Intendanten ist es dabei wichtig, größtenteils Ensemble-Stücke auf die Bühne zu bringen: Mozarts „Le nozze di Figaro“, wo im Schloss des Grafen Almaviva ein Mikrokosmos der Gesellschaft inszeniert wird; Rossinis „Il viaggio a Reims“, mit dem seinerzeit den Gesangsstars des Théâtre-Italien in Paris eine Bühne zum Glänzen geschaffen wurde; „La Tempête“ – das Hauptwerk des Genfer Komponisten Frank Martin, in dem nach Shakespeares letztem Theaterstück eine ganze Galerie schillernder Figuren aufgeboten wird. „Die Dreigroschenoper“ wird von einer legendären Truppe aufgeführt: dem von Brecht gegründeten Berliner Ensemble, das zum ersten überhaupt Mal in Genf gastiert. Die neue Choreografie von Ballettchef Sidi Larbi Cherkaoui stellt die gemeinschaftsgebende, ja politische Kraft eines ganzen Volkes in den Vordergrund und trägt den bedeutungsvollen Titel „Dimokratía“.

Namhafte Regisseure wie Barrie Kosky sind mit Projekten in Genf zu erleben
Namhafte Regisseure wie Barrie Kosky sind mit Projekten in Genf zu erleben

Große Reggiseure zu Gast in Genf

Als überzeugter Verfechter dieses Ensemblegeistes lädt Alain Perroux bedeutende Künstler nach Genf ein, die dort noch nie aufgetreten sind. So präsentiert das Grand Théâtre de Genève als Schweizer Erstaufführung eine Oper der finnischen Komponistin Kaija Saariaho und lädt erstmals einige der derzeit relevantesten Regisseure ein: Barrie Kosky, Peter Sellars und Krzysztof Warlikowski. Der Dirigent Raphaël Pichon, Spezialist der Alten Musik, wird erstmals mit Krzysztof Warlikowski zusammenarbeiten und gemeinsame Händels „Theodora“ verantworten.

Neben diesen großen Namen sind weitere interessante Kreative zum ersten Mal in Genf zu erleben: die Regisseurinnen Netia Jones, Jetske Mijnssen und Marie Ève Signeyrole, der Choreograf Kyle Abraham sowie Jader Bignamini und Marta Gardolińska am Dirigentenpult. Im Bereich Tanz bleiben Sidi Larbi Cherkaoui und Damien Jalet tragende Säulen des Balletts. Auf Seiten des Gesangs ragen Lise Davidsen, Sabine Devieilhe, Philippe Sly, Ying Fang, Philippe Jaroussky oder Anastasia Bartoli hervor, nach Genf zurückkehren werden Stéphane Degout, Lea Desandre, Natalie Dessay, John Osborn, Lambert Wilson oder Ludovic Tézier sowie die Dirigenten Antonino Fogliani und Guillaume Tourniaire.

Kontaste beleuchten

Einige Leitgedanken haben die Gestaltung der Spielzeit 2026/27 bestimmt. Alain Perroux: „An erster Stelle steht der Wunsch, dem Publikum in Genf und Umgebung die unglaubliche Vielfalt des Musiktheaters näherzubringen. Über 400 Jahre Geschichte und ein stets dynamisches Schaffen bilden ein weites Feld, in dem wir uns jedes Jahr bemühen, ein breites Spektrum an Formen, Ausdrucksweisen und szenischen Konzepten zu pflegen. Beliebte Klassiker, farbenfrohe Ballette, Barockopern, vergessene Schätze, inspirierende Neuinszenierungen und Musicals werden Saison für Saison in unserem Programm zu finden sein. Die Spielzeit 26/27 bringt diese Kontraste mit Freude zur Geltung.“

Ausgeprägte Offenheit hinsichtlich der ästhetischen Diskurse und beherzte Öffnung in Richtung eines verbreiterten Publikums sind dem Intendanten, der an seinem neuen Haus selbst als Teenager seine ersten Opern erlebte und in jüngeren Jahren bereits als Dramaturg arbeitete, ebenso wichtig wie bereits seinem Vorgänger. „Die Erkundung neuer Welten bildet den Auftakt zu einem neuen Kapitel, das ich gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Grand Théâtre gerne schreiben werde.“

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