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Albumfenster: Erik Bosgraaf & filoBarocco

„Folk Baroque“ – Barock trifft Volksmusik

Der Blockflötist, Dirigent und künstlerische Leiter Erik Bosgraaf über das neue Album, das er zusammen mit dem italienischen Ensemble filoBarocco eingespielt hat.

Herr Bosgraaf, diese Einspielung hat eine besondere Bedeutung für Sie. Was macht sie so persönlich?

Bosgraaf: Zum einen spielen wir hier eine Art „spekulative“ Musik. Ausgangspunkt sind die Melodien, die Georg Philipp Telemann während seines Aufenthalts im schlesischen Pleß gesammelt hat und die in der sogenannten Rostocker Handschrift überliefert sind. Die Quellen lassen aber viele Fragen offen, und die Musik liegt nur rudimentär notiert vor, sodass sie überwiegend aus unserer Vorstellungskraft entstanden ist.
Zum anderen entstand das Projekt aus einer gemeinsamen Faszination für die Verbindungen zwischen lebendigen musikalischen Traditionen und der Barockmusik.

Was meinen Sie damit genau?

Bosgraaf: Ich meine, dass es zwar notierte Melodien und gelegentlich auch eine Bassstimme gab, aber keine Angaben zu Harmonie, Kontrapunkt, Tempo oder Charakter. Genau dieser Freiraum eröffnete uns die Möglichkeit, die Musik weiterzudenken. Aus unserer gemeinsamen Erfahrung mit Alter Musik und Volksmusik ist dann diese hypothetische Musik entstanden.

Wie haben Sie diese 31 Stücke zu einer Einheit gemacht?

Bosgraaf: Wir haben das Programm in vier unterschiedliche „Akte“ oder Suiten gegliedert, die jeweils der Länge einer LP-Seite entsprechen. Innerhalb dieser Akte gibt es eine ausgewogene Balance zwischen schnellen und langsamen Sätzen sowie zwischen Improvisation und Komposition.

Wie haben Sie einander kennengelernt?

Bosgraaf: Angefangen hat alles mit einer Anfrage, ob ich im Rahmen eines europäischen Förderprogramms für junge Alte-Musik-Ensembles die Gruppe filoBarocco coachen würde. Wir haben uns musikalisch und menschlich auf Anhieb gut verstanden, und aus dem gemeinsamen Musizieren während der Coachingstunden entstand schließlich der Wunsch, weiter zusammenzuarbeiten.

Erik Bosgraaf
Erik Bosgraaf

Was bedeutet „Folk Baroque“ genau für Sie?

Bosgraaf: Aus unserer Sicht beschreibt dieser Begriff das Genre sehr treffend: Musik der Barockzeit, allerdings nicht die üblichen Sonaten, Konzerte oder Opern, sondern eine Art spekulative Musik, die von Musikerinnen und Musikern gespielt wurde, die wahrscheinlich gar keine Noten lesen konnten, deren Einfluss auf die schriftlich überlieferte Kunstmusik jedoch groß war.
Aus der Verbindung von notierter Musik und der mündlich überlieferten traditionellen Musik einer bestimmten Region entsteht so eine von uns gestaltete musikalische Realität, die sich hoffentlich dem annähert, was man damals in einer Kneipe hätte hören können. Wir wissen natürlich nicht mit Sicherheit, wie es genau geklungen hat – und vielleicht ist das auch gut so. Aber mit Stilempfinden, Wissen und Erfahrung können wir für unser Publikum gewissermaßen ein musikalisches „Reverse Engineering“ betreiben.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Bosgraaf: Wir arbeiten gerade an einem neuen Programm, das dieselben Prinzipien auf andere Regionen überträgt. Im Moment befindet sich das Projekt noch in einer frühen Phase, deshalb kann ich leider noch nicht mehr dazu sagen. Die ersten Konzerte mit diesem neuen Programm sind für Herbst 2027 geplant, und wir werden unsere neuen Kompositionen bis dahin noch weiterentwickeln und „schleifen“.

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