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Rezension Boris Giltburg – Rachmaninow: Klaviersonaten

Orchestrale Klangfarben

Boris Giltburg bricht eine Lanze für Rachmaninows lange Zeit verschmähte erste Klaviersonate und verhilft dem Koloss zu neuem Glanz.

vonJan-Hendrik Maier,

Lange Zeit haftete Sergej Rachmaninows erster Klaviersonate der Ruf als sperriges Stück für Spezialisten und Liebhaber an. Mittlerweile bahnt sie sich öfters ihren Weg auf die Konzertbühne, Boris Giltburg setzt mit ihr sein 2023 begonnenes Rachmaninow-Projekt fort. Wohltuend begreift er den vierzigminütigen Koloss weniger als Klavierstück denn als Sinfonie. Mit Übersicht gestaltet er die großen Linien in den zerklüfteten Ecksätzen und sucht stets nach orchestralen Klangfarben, die er auf dem vergleichsweise sanft intonierten Fazioli-Flügel zu finden vermag. Sein Spiel ist kraftvoll und zupackend. In der deutlich beliebteren zweiten Sonate, die Giltburg in der revidierten Fassung von 1931 spielt, überzeugt er mit wohldosiertem Rubato, lyrischer Raffinesse und dem nötigen Feuer. In keinem Moment besteht die Gefahr von Kitsch. Eine lohnenswerte Beigabe ist die Transkription von Rachmaninows Tondichtung „Die Toteninsel“, die den Gestus der Vorlage unaufgeregt einfängt, bisweilen aber an die Grenzen des akustisch Reizvollen stößt.

Boris Giltburg
Boris Giltburg

Rachmaninow: Klaviersonaten Nr. 1 d-Moll op. 28 & Nr. 2 b-Moll op. 36, Rachmaninow/Kirkor/Giltburg: Die Toteninsel op. 29

Boris Giltburg (Klavier)
Naxos

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