Meilenstein

Rezension Ian Bostridge – Schubert: Winterreise

Meilenstein

Mit dieser Aufnahme von Schuberts „Winterreise“ ist Ian Bostridge und Thomas Adès ein wahrer Meilenstein gelungen.

Ian Bostridge hat sich entschlossen, Schuberts „Winterreise“ erneut aufzunehmen: Jetzt mit dem Komponisten Thomas Adès am Klavier, beide sind mit dem Programm erfolgreich durch Europa und die USA gereist. Bostridges schlanker, äußerst wandlungsfähiger Tenor schafft es, verdichtete Emotionen unmittelbar zu entfalten. Mit klug gesetzten vokalen Einfärbungen und Akzentuierungen. Hier gelingt tatsächlich ein individueller Zugriff auf die Lieder, Bostridge schürft tief im Gefühlsgehalt des Zyklus, ungekünstelt, ohne irgendwelche Opernmanierismen, ohne bemühten „Volkston“, ohne Pathos, authentisch, kompromisslos direkt. Thomas Adès arbeitet so subtil wie plastisch das Charakteristische des Klaviersatzes heraus und schafft so die dichte Atmosphäre als Grundierung und Kommentar. Außerdem hat er – ein Plus für die Emotionen – keine Angst vor Schärfen und Härten im Klang. Mit dieser Aufnahme ist ein Meilenstein gelungen, eine Winterreise für das 21. Jahrhundert. Sehr bewegend.

Ian Bostridge

Ian Bostridge

Ian Bostridge

Schubert: Winterreise

Ian Bostridge (Tenor), Thomas Adès (Klavier)
Pentatone

Weitere Rezensionen

CD-Rezension Shakespeare Songs

Geburtstagsgabe für Shakespeare

Ian Bostridge und Antonio Pappano würdigen Shakespeare mit einer Lied-Hommage weiter

CD-Rezension Ian Bostridge

Perfektes Beispiel

Pure tenorale Stimmbesitzer widerlegen mitunter die Tatsache, dass das Singen und das Denken gar zwingend zusammengehören. Ian Bostridge aber beweist, wie grundlegend diese Synthese ist: Er ist das perfekte lebende Beispiel eines Künstlers, dessen Intellekt dem Gesang seine tiefsten Dimensionen… weiter

CD-Rezension Ian Bostridge

Vereint im Verzeihen

Von der drastischen Schilderung der Schrecken des Krieges, über die ironische Distanzierung von Gevatter Tod als Kumpel des Soldaten, bis zu Tönen des Trostes und der Hoffnung auf ewige Ruhe und Erlösung reicht Brittens so vielschichtige Musik der Erinnerung, des… weiter

Auch interessant

Opern-Kritik: Bayerische Staatsoper München – Die tote Stadt

Tod, Ekstase, Sumpf

(München, 18.11.2019) Die Korngold-Debütanten Marlis Petersen, Jonas Kaufmann und Kirill Petrenko bescheren der Bayerischen Staatsoper einen Applaus-Marathon, nur die Regie bleibt flach. weiter

Porträt Beatrice Rana

Mit Leichtigkeit

Mit ihrem außergewöhnlichen Talent meistert Beatrice Rana das schwerste Klavierrepertoire. Nebenbei hält sie Ausschau nach unbekannten Werken. weiter

Lieblingsstück Liza Ferschtman

Erich Wolfgang Korngold: Violinkonzert D-Dur op. 35

Die niederländische Geigerin Liza Ferschtman war schon als Kind berührt von der Musik Erich Wolfgang Korngolds. weiter

Kommentare sind geschlossen.