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Rezension Ivo Pogorelich – Chopin: Klaviersonate Nr. 3

Ungewöhnliche Einsichten

Pianist Ivo Pogorelich ist jemand, der sich von Gewohnheiten freimacht und zu teils eigenartigen Erkenntnissen kommt – das gilt auch für seine Interpretation von Chopins Klaviermusik.

vonChristian Lahneck,

Ivo Pogorelich meldet sich mit einer neuen Chopin-Aufnahme, in deren Mittepunkt die dritte Sonate steht. Einmal mehr wagt er ungewöhnliche Einsichten. Schon bei der einleitenden Nocturne, der ersten aus op. 48: ein Dokument der Zeitdehnung. Pogorelich predigt, zelebriert. Mit leiser, zarter Stimme. Gegen Ende jedoch formuliert er in Donnerworten, bis die gehauchten Schlussakkorde alles wieder infrage stellen. Pogorelich ist, auch in der Sonate und besonders im Largo, jemand, der sich von Gewohnheiten freimacht und zu teils eigenartigen Erkenntnissen kommt. Ein Grübler, der es sich nie leicht macht. Die „Fantaisie“ op. 49 gerät zu einem wahrhaft fantastischen Gebilde, zerklüftet, gegensätzlich. Ob Pogorelich Chopin überhaupt über den Weg traut? Misstraut er seiner Vorstellung von Frieden? Die fratzenhaften, schrecklichen Seiten dieser Musik zeichnet er jedenfalls kompromisslos.

Ivo Pogorelich

Chopin: Klaviersonate Nr. 3 op. 58, Fantasie op. 49 & Nocturnes

Ivo Pogorelich (Klavier)
Sony Classical

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