Transzendent

Rezension Lucas & Arthur Jussen – Bach

Transzendent

Lucas & Arthur Jussen halten mit Werken Bachs für zwei Klaviere die Steinways vorbildlich im Zaum und differenzieren dafür ungemein fein.

Als Bach seine Klaviermusik komponierte, hatte er dafür keinen Steinway im Sinn. Entsprechend klein ist auch der Tonumfang seiner Werke, und auch der musikalische Satz ist auf transparente Instrumente wie Cembali ausgelegt. Für Pianisten ist also Vorsicht geboten, wenn sie diese Musik auf dem Konzertflügel spielen wollen, denn allzu leicht wird die Polyfonie verschleiert und der Klang gerät diffus. Das Klavierduo Lucas & Arthur Jussen weiß um diese Fährnisse. Sie halten auf ihrem neuen Album mit Werken Bachs für zwei Klaviere die Steinways vorbildlich im Zaum und differenzieren dafür im Bereich von Pianissimo bis Mezzoforte ungemein fein. Im Adagio ovvero Largo des Konzerts BWV 1061 bezaubern die beiden Brüder mit einem zarten, dynamisch bis ins Detail ausgehörten Geflecht der Stimmen, wie ihr Spiel insgesamt, gerade auch in den Bearbeitungen einiger Choräle von Kurtág, eine kontemplative, fast transzendente Qualität besitzt.

Lucas und Arthur Jussen

Lucas (l.) und Arthur Jussen

Lucas & Arthur Jussen © Marco Borggreve

Bach
J. S. Bach/Kurtág: Aus tiefer Not schrei ich zu Dir BWV 687, Nun komm der Heiden Heiland BWV 599, O Lamm Gottes unschuldig BWV deest & Sonatina aus „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ BWV 106
J. S. Bach/Howe: Schafe können sicher weiden aus BWV 208
J. S. Bach/Hess: Jesus bleibet meine Freude aus BWV 147

Lucas & Arthur Jussen (Klavier), Amsterdam Sinfonietta
Deutsche Grammophon

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