Vogel-Wunder

CD-Rezension Marlis Petersen

Vogel-Wunder

Nicht nur Vorstudien für das zur Zeit wiederentdeckte Opernwerk: Braunfels‘ frühe Lieder

Das Wunder beginnt mit Track 7: Marlis Petersen singt das Federspiel, Braunfels‘ innige Vertonungen lyrisch-witziger Vogelbeschreibungen aus „des Knaben Wunderhorn“, spontan und frisch, mit perfekter Textverständlichkeit und vollendeter Anmut, lässt etwa die Bachstelze nahezu sichtbar auf- und abwippen. Mit seinen fast sämtlich vor 1920 entstanden Liedminiaturen stellt Walter Braunfels sich bewusst in die Liedtradition von Schubert bis Mahler. Er sucht dabei, anders als der wenig ältere Richard Strauss, kaum romantische Aufschwünge, sondern stets einen schlichten Seelenton. Nicht jedes Stück ist ein Meisterwerk, aber es sind definitiv Kostbarkeiten darunter, etwa Abbitte auf einen Text von Hölderlin. Der Bariton Konrad Jarnot verzaubert hier, trotz nicht eben attraktiven, leicht öligen Timbres, mit sensibler Gestaltung der Wort-Ton-Beziehungen und sinnlich-eleganter Mezza Voce.

Braunfels: Lieder
Marlis Petersen (Sopran)
Konrad Jarnot (Bariton)
Eric Schneider (Klavier)
Capriccio

Weitere Rezensionen

Rezension Marlis Petersen – Dimensionen Anderswelt 2

Faszinierende Kleinodien

Marlis Petersen leiht im zweiten Teil ihrer CD-Trilogie „Dimensionen“ den Elementargeistern ihre quellklare Stimme. weiter

Rezension Kent Nagano – Widmann: Arche

Muskelspiele

Die Spielfreude und die Wucht der Aufführung von Jörg Widmanns Oratorium „Arche“ aus der Elbphilharmonie wirken auch auf CD. weiter

CD-Rezension Marlis Petersen: Dimensionen Welt – Mensch & Lied

Große Fragen mit klarer Stimme

Marlis Petersen und Stephan Matthias Lademann reihen in vier Gruppen bekanntes und unbekanntes Liedgut nach Themen weiter

Auch interessant

Porträt Marlis Petersen

Die Wandelbare

Kaum jemand verkörpert abgründige Figuren so überzeugend wie Marlis Petersen. Sie darauf zu reduzieren würde jedoch ihrer Kunst keineswegs gerecht. weiter

Interview Marlis Petersen

„Man kann sich an Neuer Musik auch kaputtsingen“

Die Sopranistin Marlis Petersen über Traumrollen, Taktwechsel und die Hölle des Opernbetriebs weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *