Sturm und Drang

Rezension René Jacobs – Beethoven: Leonore

Sturm und Drang

René Jacobs und das Freiburger Barockorchester präsentieren ein dezidiertes Plädoyer für die Frühfassung der „Fidelio“-Urfassung „Leonore“.

Wer sich Florestan als Fortissimo-Helden vorstellt statt als fast gebrochenen Gefangenen, sollte die Neuaufnahme von Beethovens „Fidelio“-Urfassung „Leonore“ großzügig umfahren. Denn Dirigent René Jacobs präsentiert ein dezidiertes und im Beiheft nachzulesendes Plädoyer für die Frühfassung. Wie schlüssig er dieses Konzept klanglich umsetzt, ist nicht nur dem ebenso flexibel wie farbig aufspielenden Freiburger Barockorchester zu verdanken, sondern auch einem (weitgehend) homogenen Sängerensemble, vorneweg mit einer Marlis Petersen, die der Leonore alles gibt, was sie braucht: Zartheit und Willensstärke, Koloraturen-Feinheiten und Sturm-und-Drang-Emphase. Die Dialoge wurden, wie in Jacobs’ „Zauberflöten“-Produktion, zum Mini-Hörspiel verdichtet. Die Aufnahme ist bis in Nischen hinein überlegt vorbereitet, so dass man sich am Ende fragt, warum der spätere Kompromiss-„Fidelio“ heute noch so oft der „Leonore“ vorgezogen wird.

© Peter M. Mayr/harmonia mundi

René Jacobs

René Jacobs

Beethoven: Leonore

Marlis Petersen, Maximilian Schmitt, Dimitry Ivanshchenkjo, Robin Johannsen, u. a., Zürcher Sing-Akademie, Freiburger Barockorchester, Florian Helgath, René Jacobs (Leitung)
harmonia mundi

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