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Rezension Matthias Goerne – Im Abendrot

Eskapistisch

Bariton Matthias Goerne und Pianist Seong-Jin Cho verwandeln Lieder von Wagner, R. Strauss und Pfitzner in einen vollkommenen „Traum durch die Dämmerung“.

vonRoland H. Dippel,

Soviel schönheitssatten Wohlklang muss man erst einmal können. Matthias Goerne will zeigen, dass das Abendrot des romantischen Kunstlieds über ein halbes Jahrhundert dauerte. Die harmonischen Schattenkronen werden länger und verschwimmen mit den beschworenen letzten Lichtspuren. Goerne artikuliert weich, plustert die Wesendonck-Lieder mit Edelvibrato auf und setzt nur einmal – in Carl Busses und Pfitzners „Lied der Sehnsucht“ – auf fast ironische Pointierung. Am Ende bemächtigt er sich sogar des fast immer Frauenstimmen vorbehaltenen „Im Abendrot“ aus Strauss‘ „Vier letzte Lieder“. Seong-Jin Cho wehrt sich mit luxurierenden, nie hinterfragten Akkordfolgen dagegen, dass man diese Klänge als Luftschlösser gegen die Miseren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entschlüsseln könnte. So wird das Album ein vollkommener, eskapistischer und auf eine Stunde gedehnter „Traum durch die Dämmerung“.

Matthias Goerne

Im Abendrot
Lieder von Wagner, Pfitzner & R. Strauss

Matthias Goerne (Bariton), Seong-Jin Cho (Klavier)
Deutsche Grammophon

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