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Rezension Ottavio Dantone – Vivaldi: Il Giustino

Emotionale Tiefen

Die Accademia Bizantina zeigt unter der Leitung von Ottavio Dantone ihre Stärke, die emotionalen Tiefen von Vivaldi auszuloten.

vonWolfgang Wagner,

Die 1724 in Rom uraufgeführte Oper „Il Giustino“ enthält über zwanzig Nummern aus früheren Werken Vivaldis und ein Zitat aus „Die vier Jahreszeiten“. Ein Vorgehen, das an Händels „Rinaldo“ erinnert und als Ergebnis ebenfalls viele starke Arien versammelt. Es irritiert zunächst, dass für die Einspielung kein einziger Countertenor engagiert wurde, obwohl in Rom zur Zeit der Entstehung keine Frauen auftreten durften und sämtliche weibliche Rollen von Countertenören gesungen wurden. Aber über dem mitreißenden Ergebnis vergisst man das beim Hören. Die durchweg großartige Besetzung lässt die für Barockopern typische, wenig plausible Handlung zu anrührenden Seelenporträts aufleuchten. Und die Accademia Bizantina zeigt unter der Leitung von Ottavio Dantone erneut ihre große Stärke darin, die emotionalen Tiefen von Vivaldi-Partituren auszuloten. Diejenige zu „Il Giustino“ hält in Monster-, Geist- und Sturmszenen auch einige Überraschungen bereit.

Vivaldi: Il Giustino

Delphine Galou, Emöke Barath, Veronica Cangemi, Emiliano Gonzales Toro, Arianna Vendittelli, Accademia Bizantina, Ottavio Dantone (Leitung)
Naïve Records

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