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Oper Leipzig: Lortzing 26

Es lebe die Spieloper!

Die Oper Leipzig widmet Albert Lortzing, dem prägenden Vertreter der deutschen Spieloper, ein Festival und entwirft dabei eine ebenso konzentrierte wie facettenreiche Werkschau seines Schaffens.

vonPatrick Erb,

Als Gattung zwischen Singspiel und später Operette verbindet die Spieloper musikalische Nummern mit gesprochenen Dialogen und zielt auf eine Balance von dramatischer Stringenz und unmittelbarer Verständlichkeit. Ihre Stoffe sind oft bürgernah, die musikalische Faktur bewusst zugänglich gehalten, ohne auf kompositorische Raffinesse zu. Kaum jemand hat diese Form so präzise geprägt wie der Theatermensch Albert Lortzing, der als Komponist, Librettist, Schauspieler und Bühnenpraktiker die Mechanik des Musiktheaters aus dem Inneren heraus bestens kannte. In Leipzig, einem zentralen Wirkungsort Lortzings, widmet sich die Oper Leipzig im Rahmen des Festivals Lortzing 26 dem Komponisten in einer facettenreichen Hommage.

Zu den Höhepunkten zählt „Der Waffenschmied“, jene volkstümliche Verkleidungskomödie, in der Graf Konrad unerkannt in einer Schmiede arbeitet, um die Tochter des Meisters für sich zu gewinnen – ein Geflecht aus Standesdünkel, Eifersucht und turbulenter Auflösung. Auch „Zar und Zimmermann“ und „Der Wildschütz“ demonstrieren Lortzings Gespür für Tempo, Ensemblewitz und satirische Zuspitzung in einem biedermeierlichen Milieu.

Aus Spaß wird Ernst

Eine andere Seite zeigt die Freiheitsoper „Regina“: Unter dem Eindruck der Revolution von 1848 verlegt Lortzing das Geschehen in eine Fabrik, wo soziale Spannungen und private Konflikte eskalieren. Während der besonnene Vorarbeiter Richard zur Mäßigung mahnt, treibt sein Gegenspieler Stefan die Arbeiter in den Aufstand – mit Brand, Entführung und tödlicher Zuspitzung, die Regina selbst beendet. Am Schluss steht eine fragile, im Überschwang errungene Freiheit. Lortzing indes sollte das Werk die Karriere kosten. Mit „Undine“ schließlich öffnet sich der Blick ins Romantische. Die Geschichte der Wasserfrau, die durch die Liebe zum Menschen zwischen den Welten gerät, entfaltet Lortzing als lyrisch grundiertes Märchen, das Naturzauber und menschliche Tragik in feinen Klangfarben verbindet. So zeigt das Festival Lortzing 26 die ganze Spannweite eines Komponisten, der weit mehr ist als nur Lieferant heiterer Opernkunst.






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