Publikum in Corona-Zeiten: Besuch in der Elbphilharmonie

„Wir haben uns immer sicher gefühlt“

Trotz Pandemie sucht concerti das Publikum des Jahres 2020. Doch wie sieht ein Konzertbesuch in Zeiten von Corona aus? Angela und Björn Schmitz aus Hamburg wagten nach der langen Schließung des Konzerthauses wieder den Besuch eines Live-Konzerts.

© Privat

Angela und Björn Schmitz beim Konzert in der Elbphilharmonie

Angela und Björn Schmitz beim Konzert in der Elbphilharmonie

„Wir waren gleich zu Saisonbeginn im Großen Saal der Elbphilharmonie, um Krzysztof Urbański mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester zu hören. Es war ein reines Beethoven-Programm mit der ersten Sinfonie und dem fünften Klavierkonzert, Dejan Lazić war Solist des Abends. Es war sehr schön, allerdings hätte man sich nach dem halben Jahr ganz ohne Live-Konzerte etwas mit mehr „Wumms“ gewünscht, eine Schostakowitsch-Sinfonie zum Beispiel, aber das ging eben nicht.

An die Karten sind wir nicht über das Abo gekommen. Diese Struktur wurde ja wegen der Abstandsregelung im Saal aufgelöst, stattdessen werden zwei etwas kürzere Konzerte an einem Abend gespielt. Wir konnten Konzerttermin und Plätze aussuchen. Normalerweise sitzen wir in der „Holzklasse“ hinter dem Orchester und haben uns jetzt mal für eine andere Perspektive entschieden.

Mit Maske und ohne Pause

Die Maskenpflicht einzuhalten fiel uns nicht schwer. Man kann die Masken abnehmen, sobald man seinen Sitz eingenommen hat. Genug Platz hatten wir auch. Vor und hinter uns war jeweils eine Reihe frei, auch die Plätze neben uns blieben unbesetzt, so dass man dort die Jacke ablegen konnte – die Garderoben hatten geschlossen. Nur ein Viertel des Saales war belegt. Auch die gesamte Wegführung wurde auf die Konzerte abgestimmt. Weil die Gänge und Treppenhäuser sehr großzügig bemessen sind, gab es immer die Möglichkeit, Abstand zu halten. Vor dem Konzert konnte man etwas trinken. Aber dadurch, dass es keine Pause gab, kam es auch nicht zur Schlangenbildung beim Ausschank. Wir haben uns immer sicher gefühlt. Der Dirigent hat übrigens beim Hereinkommen und Abgehen auch eine Maske getragen und den Konzertmeister per Ellenbogen-Check begrüßt.

Selbst wenn man weiß, dass es keinesfalls an mangelnder Nachfrage liegt, stimmte der Anblick des fast leeren Saals doch etwas traurig. Uns ist noch aufgefallen, dass das Publikum um diese frühe Uhrzeit vermutlich direkt von der Arbeit kam, viele jüngere Menschen und Kinder waren da, selbstverständlich auch das etwas betagtere Abo-Publikum. Nur eben viel weniger Leute. Beim Applaus haben sich alle besonders Mühe gegeben. Nach dem Konzert haben wir uns gefreut, dass auch direkt vor der Elbphilhamonie Schaustellerbuden mit Würstchen und Schmalzkuchen standen, die als Dom-Ersatz gerade in der Innenstadt verteilt sind. Das sollte immer so sein!“

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