Mozart: Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter“

(Entstehungszeit 1788)

„Besuchen Sie mich, ich bin immer zu Hause“ – lud Mozart seinen Logenbruder Puchberg ein, den er in akuter Geldnot um Hilfe gebeten hatte. Da Wien Mozart gerade vergaß, fand dieser Muße, drei Sinfonien hintereinander zu schreiben. Dabei kam er „der Welt abhanden“: Hatte er in der Es-Dur-Sinfonie sein Herz ausgeschüttet, in der g-Moll-Sinfonie seinen schwarzen Gedanken freien Lauf gelassen, so konnte er nun plötzlich fliegen: schwerelos in den Olymp des musikalischen Geistes.

Die C-Dur-Sinfonie ist altmeisterlich und avantgardistisch, einfach und groß, kunstvoll und spielerisch – nicht ohne Grund nannte man sie bald Jupiter-Sinfonie. Zu Mozarts Lebzeiten wurde sie wohl nicht gespielt, aber aus ihrem Jupiterkopf – gemeint ist vor allem das polyphon sprühende Finale – zuckten Blitze weit ins 19. Jahrhundert hinein. Das Sinfoniefinale, das kein Kehraus mehr ist, sondern Hauptstück, war erfunden, und zündete in den Köpfen von Beethoven, Brahms, Bruckner und Mahler.

Allegro vivace: Das Hauptthema klopft dreimal an und verbeugt sich. Das gut gelaunte Tutti bittet den Gast herein. Im Seitenthema entwickelt sich eine muntere Unterhaltung (zwischen Violinen und Bässen). Nach einer hochdramatischen Pointe (Generalpause!) schütteln sich alle vor Lachen. Da erscheint ein dritter Gast (Schlussgruppe): ein bezauberndes Wesen, das alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und fast die ganze Durchführung beherrscht ...

Andante cantabile: Das Hauptthema (Violinen mit Dämpfer) macht ein tiefes Kompliment – und alle Anwesenden stimmen zu (Forte-Akkord). Es folgen eine sehr herzliche Wendung (Oboen) und ein sehr persönlicher Nachsatz (Flöte, Fagott) – dann beginnt ein vertrauliches Zwiegespräch ...

Das volkstümliche Menuetto Allegretto hat einen normal entwickelten ersten Teil (16 Takte), dann aber schlägt die Fantasie über die Stränge und findet kein Ende ...

Das Trio wirkt gedankenverloren – weilen die Gedanken schon beim Finale? Dessen Cantus firmus (Hauptthema) ist nämlich (im Forte) schon dabei ...

Das Finale Allegro molto ist in der äußeren Form ein Sonatensatz, in der inneren Struktur eine Fuge mit fünf Themen. Diese sind alle „theaterbegabt“, sodass die Fuge ausgesprochen komödiantischen Charakter annimmt:

- Erstes Thema (Hauptthema der Sonatenform): der seriöse Hausherr – ein barocker Cantus firmus (vier breite Noten) mit klassischem Nachsatz.

- Zweites Thema: ein pathetischer Clown – tritt rhythmisch auf und schlägt Purzelbäume.

- Drittes Thema: ein eitler Geck – mit aufwärts gerichtetem Blick pfeifend und trällernd.

- Viertes Thema: ein witziger Kobold – nur vier kurze Töne „immer auf dem Sprung“.

- Fünftes Thema (zugleich Seitenthema der Sonatenform): die elegante Dame des Hauses – drei gewichtige Noten, dann eine Kaskade von Koloraturen.

Diese Versammlung stellt sich in der Exposition vor und stimmt in der Durchführung ein herrliches Palaver an, das in der Reprise wächst, in der Coda kulminiert und in olympischem Lachen endet ...

Nach dieser komödiantischen Sinfonie musste eine sinfonische Komödie kommen, eine richtige Opera buffa mit homerischem Gelächter, denn: so machen’s alle – cosi fan tutte!

(Mathias Husmann)