Streichquartettfesttage – der bandwurmartige Name klingt ein bisschen trocken, obwohl das Frankfurter Holzhausenschlösschen ja ein Wasserschloss ist. 2014, als mit dem Umbau des Schlösschens ein endlich gut klingender, 142 Plätze fassender Kammermusiksaal entstanden war, wurde der mit einem Streichquartettfestival unter der schmissigeren Headline „Quartettaffairs“ eröffnet. Der Geiger Oliver Wille vom renommierten Kuss-Quartett kuratierte die Affären drei Jahre lang. Der Name änderte sich, Idee und Qualität blieben, denn dem Holzhausenschlösschen-Hausherrn Clemens Greve liegt die Gattung einfach am Herzen. Und die hat es nicht einfach in Frankfurt, das bekanntlich nicht die Welthauptstadt der Kammermusik ist.
Nach einem Haydn-Schwerpunkt und einem mit den Streichquartetten Helmut Lachenmanns (der dafür seinen 80. Geburtstag im Schlösschen verbrachte) bildet nun Franz Schubert den roten Faden in den Programmen der vier Quartettformationen mit bester Reputation: das casalQuartett, das Signum Quartett, das Quatuor Tchalik und das Aris Quartett. Das am neugierigsten machende ist das 2013 gegründete Tchalik Quartett, auch deshalb, weil es noch relativ unbekannt ist. Es besteht aus den vier Geschwistern Louise, Sarah, Gabriel und Marc Tchalik, die französische Familie hat russische Wurzeln, ein weiterer Tchalik-Bruder steht regelmäßig als Pianist zur Verfügung. Beim Internationalen Mozartwettbewerb 2018 in Salzburg erspielte sich das Tchalik Quartett den ersten Preis plus Sonderpreis. In Frankfurt interpretieren die Tchaliks das letzte der Quartette Franz Schuberts, das in G-Dur D 887.
Schubert-Lieder für Streichquartett
Das ungewöhnlichste Programm rund um Schubert hat aber das Signum Quartett gestrickt: Der aus Südafrika stammende Quartett-Bratscher Xandi van Dijk hat die Schubert-Lieder „Die Götter Griechenlands“ und „Du bist die Ruh’“ für die Quartettbesetzung bearbeitet, quasi Franz Schubert selbst nachfolgend, der aus dem Lied „Der Tod und das Mädchen“ einen Quartettsatz formte. Dieses Andante aus dem d-Moll-Quartett steht ebenso auf dem Signum-Programm wie Janáčeks erstes Streichquartett „Kreutzersonate“ und Schuberts „Rosamunde“-Quartett – alles Werke mit literarischen Vorlagen also, eine schön runde Programmidee.
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