Fußball-WM Spezial: Interview Benjamin Appl

„Gott sei Dank hat man ja zwei Daumen“

In unserem concerti-Spezial zur Fußball-WM 2018 lassen wir mehr oder weniger ballverrückte Künstler zu Wort kommen. Heute: Sänger Benjamin Appl

© Lars Borges Sony Classical

Benjamin Appl

Benjamin Appl

Blaue Augen, smartes Auftreten, Schmelz in der Stimme – Bariton Benjamin Appl fliegen die Herzen seiner Fans wohl genauso schnell zu wie manch einem Fußballspieler. Mit Ronaldo, Messi und Co. verbindet ihn aber weniger die Fangemeinde, als vielmehr die Tatsache, dass Singen auch Mannschaftssport sein kann. Die Abstimmung mit Dirigenten, Sängerkollegen und Klavierpartnern ist für Appl eine Aufgabe, die er gerne annimmt. Denn genauso wie beim Fußball zählt am Schluss das Ergebnis – ob Torjubel oder Standing Ovation ist da fast gleich. Für concerti erzählt der zwischen den Fußballnationen England und Deutschland pendelnde Sänger, wer für ihn die größte Fußballlegende ist und wer bei seiner Lieblingsmannschaft im Tor stehen sollte.

Für welches Team drückst du bei der WM die Daumen und warum?

Benjamin Appl: Gott sei Dank hat man ja zwei Daumen, die ich gerecht zwischen „meinen“ Ländern Deutschland und England aufteilen kann. Vielleicht werde ich dann immer etwas mehr zu der Mannschaft halten, in deren Land ich mich während des Spiels gerade befinde.

Und wer, glaubst du, gewinnt?

Appl: Momentan habe ich das Gefühl, dass England – auch aufgrund der erfolgreichen Vorbereitung – große Chancen hat, Weltmeister zu werden. Aber auch Frankreich sehe ich sehr weit vorne.

Wer ist für dich die größte Fußball-Legende?

Appl: Da denke ich natürlich zuerst an Pelé, eine echte Legende: 1958 mit 17 Jahren bereits das erste Mal Weltmeister, zwei weitere WM-Titel folgten für ihn. Aber natürlich bewundere ich Franz Beckenbauer, weil er seine Vielseitigkeit und sein Können fantastisch unter Beweis gestellt hat und so als Spieler und als Trainer WM-Siege errang.

Und was war das legendärste Spiel?

Appl: Wenn ich an die Spiele denke, die ich selber erlebt hatte, dann ist das sicherlich das 7:1 zwischen Deutschland und Brasilien bei der letzten Weltmeisterschaft, ein geniales Spiel! Wer hätte schon gedacht, dass Deutschland im Heimatland Brasilien den Rekordhalter so hoch schlagen wird.

Welches klassische Stück wäre die perfekte Alternative für die Nationalhymne deines Lieblingsteams?

Appl: Für England würde ich aus aktuellem Grund dem Team ganz klar Beethovens „Ode an die Freude“ aus der 9. Sinfonie vorschlagen!

11 Freunde sollt ihr sein – mit welchen Musikern wärst du gerne in einer Mannschaft?

Appl: Sprechen wir jetzt von einer Mannschaft auf dem Rasen oder im Konzertsaal? Davon abhängig würden die Mannschaften ganz anders aussehen. Sollte es sich bei der Frage um eine Mannschaft auf dem Fussballfeld handeln, dann würde ich zehn weitere Spieler auswählen, die Fußball spielen können (im Gegensatz zu mir).

Auf welcher Position würdest du spielen?

Appl: Stürmer (und Dränger).

Und wer steht im Tor?

Appl: Pavarotti, der schwebt mir klar vor Augen!

Welches klassische Stück Musik entspricht am ehesten einem Fußballspiel und warum?

Appl: Vielleicht der dritte Satz aus Sibelius’ 1. Sinfonie. In diesem Scherzo spielt der Komponist mit verschiedenen Instrumentalgruppen, die aufeinander reagieren und regelrecht in einen Wettkampf eintreten. Und: das Stück endet nach einer großen Steigerung mit einer Art Abpfiff.

Termine

Sonntag, 22.12.2019 19:00 Uhr Gasteig München

J. S. Bach: Weihnachtsoratorium BWV 248 Kantaten I–VI

Robin Johannsen (Sopran), Sarah Ferede (Alt), Daniel Johannsen (Tenor), Benjamin Appl (Bariton), Münchener Bach-Chor, Münchener Bach-Orchester, Hansjörg Albrecht (Leitung)

Montag, 03.02.2020 19:00 Uhr Konzerthaus Dortmund

Salon-Werkstatt Kurtág

Zeitinsel Kurtág
Samstag, 29.02.2020 20:00 Uhr Stadttheater Ingolstadt

Benjamin Appl, James Baillieu

Werke von Schubert, Tschaikowsky, Hahn, Chabrier u. a.

Donnerstag, 09.04.2020 21:00 Uhr Kölner Philharmonie

Benjamin Appl, Franziska Gottwald, Marcel Beekman, Echo di Rheno, Reinhard Goebel

Heinichen: Drei Lamentationes Jeremiae in coena Domini, Vivaldi: Sinfonie h-Moll RV 169 „al Santo Sepolcro“, Sonate Es-Dur RV 130 „al Santo Sepolcro“ & Konzert d-Moll RV 129 „Concerto Madrigalesco“

Dienstag, 19.05.2020 20:00 Uhr Kammermusiksaal Berlin

Benjamin Appl, Christoph Hartmann, Berliner Barock Solisten, Reinhard Goebel

C. P. E. Bach: Kantate „Ich bin vergnügt mit meinem Stande“, Monsieur Bach de Berlin: Sinfonia F-Dur, J. C. F. Bach: Kantate „Pygmalion“, W. F. Bach: Sinfonia B-Dur Fk 71, J. S. Bach: Kantate „Ich habe genug“ BWV 82

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