Radio-Tipp: Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin auf Deutschlandfunk Kultur

Der Tod in der Kunst

Deutschlandfunk Kultur überträgt heute die Aufzeichnung des Konzerts des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin unter der Leitung von Thomas Adès – im Mittelpunkt steht der Totentanz

Der sog. "Lübecker Totentanz" (Ausschnitt), 1701 © gemeinfrei

Der sog. "Lübecker Totentanz" (Ausschnitt), 1701

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es in der Kunst Darstellungen des Einflusses und der Macht des Todes auf die Menschen. Doch nicht nur in der Malerei, auch in der Literatur und Poesie sowie in der klassischen Musik ist die Endlichkeit und der Totentanz ein zentrales und immer wiederkehrendes Motiv. So findet man den Tod in den Werken großer Komponisten, wie den „Kindertotenliedern“ von Gustav Mahler, dem Lied „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert oder dem „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns.

Den Totentanz als Grundlage

Versteckt unter einem Fries der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lübecker Marienkirche fand man eine anonym verfasste Darstellung – eine der bekanntesten und wirkungsvollsten Totentanz-Darstellungen – die Thomas Adès als Grundlage für sein Werk diente. Der Komponist selbst schrieb, dass der Fries die verschiedenen Mitglieder der Gesellschaft darstelle und sich zwischen jeder menschlichen Figur eine Abbildung des Todes befinde. In seinem Totentanz repräsentiert ein Sopran die Menschen und ein tieferer Bariton den Tod.

Zerstört wurde 1940 auch die englische Stadt Coventry durch einen deutschen Flächenangriff. Diesem Opfer ist Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem“ gewidmet, die ursprünglich eine ganz andere Entstehungsgeschichte hatte. 1939 wandte sich der britische Konsul an den 26 Jahre alten Britten und erteilte ihm den Auftrag zu Ehren des 2600-jährigen Bestehens des japanischen Kaiserhauses zu komponieren. Britten erfüllte den Auftrag zwar, sein Werk wurde dennoch abgelehnt, da das Stück eine friedliche Macht beleidigen und den christlichen Glauben propagieren würde. So wurde die „Sinfonia da Requiem“ erst 1941 in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt.

Konzertmitschnitt auf Deutschlandfunk Kultur

In seinem heutigen Konzert widmet sich das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin den Totentänzen von Thomas Adès und Franz Liszt, dessen Werk auf Grundlage des „Des Irae“, einer Sequenz der Totenmesse, entstand sowie der „Sinfonia da Requiem“ von Benjamin Britten. Die Aufzeichnung des Konzerts wird um 20.03 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur übertragen. Adès ist gleichzeitig Dirigent des Konzerts.

Thomas Adès über seinen Totentanz:

concerti-Tipp:

So. 22.4., 20.03 Uhr
Deutschlandfunk Kultur
Konzertmitschnitt vom Nachmittag
Mit: Christianne Stotijn (Mezzosopran), Simon Keenlyside (Bariton), Kyrill Gerstein (Klavier), Rundfunk-Sinfonierochester Berlin, Thomas Adès (Leitung)
Britten: Sinfonia da Requiem op. 20
Liszt: Klavierkonzert „Totentanz“
Adès: „Totentanz“ für Mezzosopran, Bariton und Orchester

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