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Opern-Feuilleton: „Kosmos-Wagner“ am Theater Dortmund

Warten auf Wagner

Der „Wagner-Kosmos“ des Theater Dortmund geht in seine siebte Runde und widmet sich dieses Jahr dem Einfluss des Bayreuther Meisters auf seine Zeit und sein künstlerisches Umfeld.

vonPeter Krause,

Es gibt die Bayreuther Festspiele – seit 150 Jahren: Anno 1876 gründete Richard Wagner die allein seinem Werk gewidmete Reihe sommerlicher „Mustervorstellungen“. Und es gibt den „Wagner-Kosmos“ des Theater Dortmund, der im Mai, also dem Geburtsmonat des „Meisters“, nun zum siebten Mal stattfindet. Dortmunds Opernintendant Heribert Germeshausen geht es in dem von ihm kuratierten Festival weder um die ehrfürchtig ritualisierte Wiederholung des Wagnerwerks noch um die wohlfeile Skandalisierung der widersprüchlichen Persönlichkeit des Komponisten. Er geht gleichsam einen dritten Weg: „Unterbelichtet und weitestgehend abwesend sind in den Spielplänen noch immer jene Werke, die uns das Genie Wagners aus dem Kontext seiner Zeit begreiflich machen.“

Also kombiniert das Festival „Wagner-Kosmos“ in jeder Ausgabe eine Wagner-Oper mit zwei Nicht-Wagner-Opern. Germeshausen führt aus: „Während der Erarbeitung von Wagners ,Ring‘ habe ich gesagt: Wir schmieden zwei Ringe um den ,Ring‘. Einer dieser Ringe beschäftigt sich mit Zeitgenossen, Antipoden oder Nachfolgern Wagners, der andere nimmt Wagners Diktum ‚Kinder, schafft neues‘ wörtlich und beinhaltet Uraufführungen von Auftragswerken.“

Ein Jugendsünder und Revolutionär

Der Auftakt war dem linken Revolutionär Wagner gewidmet und Zeitgenossen wie Auber und Spontini. Bei der Kontextualisierung bildet gegenwärtig der Wagnérisme den Schwerpunkt. Der Intendant: „In Frankreich wurde Wagner nach dem ‚Tannhäuser-Skandal‘ von 1861 spartenübergreifend als der Inbegriff des ‚modernen‘, nur seinem Genius und nicht politischen oder moralischen Autoritäten verpflichteten Künstlers wahrgenommen, also auch von Dichtern, Malern, Philosophen. Das ist in Deutschland bis heute nicht so richtig ins Bewusstsein gerückt. Zusammen mit den Palazzetto Bru Zane entdecken wir in diesem Kontext großartige Werke von durch Wagner beeinflussten Komponisten und gerade auch Komponistinnen, deren Werke wir erstmals seit über 100 Jahren und in Deutschland erstmals überhaupt auf die Bühne bringen.“

Nach dem von Peter Konwitschny inszenierten kompletten „Ring“ im Jahr 2025 gibt es zur siebten Ausgabe des Festivals einmalig keine vollständige Wagner-Oper. „Dafür sind 2026 die beiden ‚Ringe um den Ring‘ besonders im Fokus und diesmal in geballter Komponistinnen-Power“, so Germeshausen. „Mit der ersten szenischen Aufführung seit 121 Jahren von Clémence de Grandvals ,Mazeppa‘, einer wahren Trouvaille, und der Uraufführung unserer Auftragskomposition ,We/Wir‘ von Sarah Nemtsov. Es geht in der Tat in beiden Werken um revolutionär-utopisches bzw. dystopisches Denken.“

Brünhilde brennt

Zentrum des „Wagner-Kosmos“ 2027, verrät der Intendant, wird eine Neuinszenierung des „Tannhäuser“ durch Neil Barry Moss sein, den die Dortmunder mit einer Neuproduktion von Albéric Magnards „Guercoeur“ verbinden sowie mit der szenischen Uraufführung von „Brünnhilde brennt“ (Komposition: Bernhard Lang, Libretto: Michael Sturminger). „Die konzertante Uraufführung kommt bereits diesen Sommer bei den Bayreuther Festspielen heraus, die auch unser Koproduktionspartner und Ko-Auftraggeber dieser Uraufführung sind.“ Fest steht: In Dortmund wird die Wagner-Rezeption so fortgeschrieben, wie sie es sein sollte: streitbar und visionär.

Wagner-Kosmos VII
14.5.–17.5.2026






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