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Ensembleporträt Hamburger Ratsmusik

Dialog zwischen Tradition und Gegenwart

Das Ensemble Hamburger Ratsmusik feiert seinen 20. Geburtstag

vonDetmar Huchting,

Gambistin, antwortete Simone Eckert mit acht Jahren, als man sie fragte, was sie einmal werden wolle. Damit gehört sie zur ersten Generation seit mehr als zwei Jahrhunderten, die einen solchen Berufswunsch äußern konnte, war das Streichinstrument mit dem vornehm näselnden Ton doch im 18. Jahrhundert aus der Mode gekommen und bald in Vergessenheit geraten. Eckert verfolgte energisch die Realisierung ihres Lebenstraums und wurde noch zu Schulzeiten Jungstudentin bei Ingrid Stampa an der Hamburger Musikhochschule.

In Neckargemünd bei Heidelberg war sie zu Hause, dort besuchte sie das Gymnasium; so teilte sie fortan ihr Leben zwischen Schulwochen im heimischen Neckartal und Wochenendreisen nach Hamburg zum Gambenunterricht – es erfordert von einem jungen Menschen schon eine erhebliche Portion Zielstrebigkeit, einen solchen Spagat zu meistern. Nach bestandener Reifeprüfung setzte Simone Eckert ihre Musikstudien in Basel an der Schola Cantorum bei Hannelore Mueller und Jordi Savall fort, 1990 legte sie dort das Abschlussdiplom für Alte Musik ab.

Simone Eckert trifft auf Ulrich Wedemeier

1991 traf Simone Eckert den Gitarristen und Lautenisten Ulrich Wedemeier, mit dem sie bald das Ensemble Hamburger Ratsmusik gründete: Der Name knüpft an eine lange Tradition an, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Damals entschloss sich die wohlhabende Hansestadt, eine Gruppe von acht Musikern zu beschäftigen, die mit ihrer Devise „Gott zu Ehren und Hamburg zur Lust, Ergötzlichkeit und Nutz“ mit vielen fürstlichen Hofkapellen mithalten konnte. Die Ratsmusik diente der Stadt auch das ganze 17. und 18. Jahrhundert hindurch unter der Leitung namhafter Musiker wie William Brade, Johann Schop, Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach und hat zum Ruf Hamburgs als bedeutendem Musikzentrum nicht wenig beigetragen.

Marktlücke für Hamburger Ratsmusik

Offensichtlich stieß die Neugründung der Hamburger Ratsmusik auf eine Marktlücke, denn schon einen Tag später kam die erste Konzertanfrage, man konnte also gleich ins Wasser springen. Beherzt ging Simone Eckert auch die Aufnahmeprojekte ihres Ensembles an – zwei Jahre nach Gründung wurde die erste CD eingespielt, die mit ihrem selten zu hörenden Repertoire aus dem französischen Barock Maßstäbe für künftige Aufnahmen setzte: Auf mittlerweile fast 20 CDs erklingt Musik aus Renaissance, Barock und Frühklassik, die Simone Eckert auch immer wieder in intensiver musikwissenschaftlicher Forschung selbst in Bibliotheken vom Staub der Jahrhunderte befreit und teilweise aus alter Notation für die Neuaufführung transkribiert. Die Begeisterung, sich als Musikforscher auf Expeditionsreise durch die Zeiten zu begeben, ist für Eckert immer wieder eine willkommene Bereicherung ihrer praktischen Tätigkeit.

Diese praktischen Pflichten bestehen nicht zuletzt auch in aufwändiger Organisationstätigkeit: Ungefähr 40 Konzertauftritte pro Jahr wollen mit den verschiedenen Besetzungen des Ensembles abgestimmt werden, das je nach Projekt mit zwei bis elf Musikern auftritt. Und als wäre all dies noch nicht genug, ist Simone Eckert auch noch eine intensive Förderin Neuer Musik für Viola da Gamba: Kurz nach ihrer Gründung gab die Hamburger Ratsmusik – seinerzeit mit Förderung der Hamburger Kulturbehörde – zeitgenössische Werke in Auftrag, und dieser Dialog zwischen Tradition und Gegenwart ist bis auf den heutigen Tag nicht verstummt.

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