Geiger Daniel Lozakovich im Porträt

„Sie haben gesagt, dass ich außergewöhnlich war“

Geiger Daniel Lozakovich berührt mit seiner Persönlichkeit – und mit Tschaikowsky

Daniel Lozakovich © Sergey Andreev

Daniel Lozakovich

Vielleicht ist er vom Himmel gefallen. Oder – etwas weniger metaphysisch – der neue Yehudi Menuhin, der schließlich auch als Wunderkind begann. Jeder staunt. Ausnahmslos. Nicht nur die Presse, nicht nur das Publikum, auch die erwachsenen Kollegen, mit denen er bereits musiziert hat: Vladimir Spivakov, Leonard Slatkin, Andris Nelsons, Robin Ticciati und nicht zuletzt Valery Gergiev, der seit der ersten Zusammenarbeit 2015 den jungen Geiger fördert.

Daniel Lozakovich ist jetzt 16 Jahre alt. Seinen ersten Unterricht erhielt er mit sieben Jahren – obwohl seine Mutter ihn viel lieber als Tennisstar gesehen hätte. Tennis spielt er noch heute, außerdem Fußball und Schach. Seine Mutter war es auch, die ein Video von ihm anfertigte und es nach Moskau schickte, an Vladimir Spivakovs Festivalleitung. Die Antwort kam schnell. „Sie haben meine Mutter angerufen und ihr gesagt – wie soll ich es ausdrücken – dass ich gut war … Kurz gesagt, dass ich außergewöhnlich war.“

Daniel Lozakovich: Individualität trifft auf Stilsicherheit

Von da an steigert sich der junge Mann, der gerne adrett mit zurückgekämmtem Haar, korrekt geschnittenem Anzug und feiner Krawatte auftritt. Wäre da nicht die fast noch kindhafte Physiognomie, könnte der Zuhörer meinen, hier sei ein Wissender, ein Gereifter, ein Jahrhundertgenie am Werk. Und das Jahrhundert beginnt ja erst. Manchen Kritiker mag das erstaunen. Oder gar veranlassen, die Bühnenerscheinung vor das musikalisch Erlebte zu stellen und zu monieren, Daniel Lozakovich hätte bereits die Erwachsenenmarotte übernommen, die Blumen an die nächstsitzende Orchesterstreicherin weiterzureichen. Wenn’s weiter nichts ist …

Andere haben ihr Staunen längst überwunden und hören genau zu, loben das Selbstbewusstsein und die schon heute weit ausgeformte Individualität und Stilsicherheit des Violinisten. Martin Engstroem, Gründer des Verbier-Festivals und wie Lozakovich in Stockholm geboren, ist sich sicher: „Daniel weiß, was er will und er versteht, wie er seine Karriere in die Hand nehmen kann. Es ist schwer zu erklären, warum er dieses Talent hat. Es ist ihm bereits gelungen, das Publikum mit seiner Musikalität, mit seiner Persönlichkeit zu berühren – und nicht einfach nur mit seiner Virtuosität und seinen Fingern.“ Ganz sicher: Man darf staunen, was noch kommt.

Daniel Lozakovich spielt Kreisler:

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