Porträt Hagen Quartett

Lieblingsstücke

Das Hagen Quartett feiert seinen 30. Geburtstag ein ganzes Jahr lang mit besonderen Programmen

Hagen Quartett © Harald Hoffmann

Hagen Quartett

Es gehört es zu den großen Namen der Streichquartettwelt: das Hagen Quartett, vor 30 Jahren in Salzburg gegründet. Seitdem haben die Geschwister Lukas Hagen, Primgeige, Veronika Hagen, Bratsche, und Clemens Hagen, Violoncello, sowie Rainer Schmidt, zweite Geige, Erfolgsgeschichte geschrieben. Rund 50 CDs haben sie eingespielt, auf den Konzertpodien sorgen sie international für Furore. Ihre Erfahrungen geben die Musiker am Salzburger Mozarteum, an der Hochschule Basel und bei Meisterkursen in aller Welt weiter.

„Ein Zuhören, welches große Aufmerksamkeit, Offenheit und den Wunsch, den anderen wirklich zu verstehen, beinhaltet“, das möchte das Hagen Quartett den Studenten vermitteln, sagt Geiger Rainer Schmidt. Gegenseitiger Respekt, ein sehr freundschaftliches Verhältnis untereinander, ein ähnliches Verständnis von Disziplin und Spaß, das seien die Geheimnisse der erfolgreichen langen Zusammenarbeit: „Die einzelne Stimme ist nichts ohne die anderen, erst im Gemeinsamen erhält jede Stimme ihre endgültige Funktion. Das Ganze ist viel, viel mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, das nur dann möglich ist, wenn ein jeder den anderen völlig vertraut und wenn jeder sein Ego zu Hause lässt“, so Schmidt. Diese Faszination am Ensemblespiel lässt die vier Quartett-Mitglieder bis heute für ihre Programme brennen.

Das Repertoire reicht von Haydn bis zu den Vertretern der Neuen Musik. Höchste Qualitätsansprüche, Neugier, das ständige Ringen um einen wahrhaftigen Ausdruck, um Dramatik und der unerbittliche Wille, die emotionalen Potenziale eines Werks auszuforschen, prägen das Profil. Auf Erreichtem ruhen sich die vier nicht aus. So wie sich die vier Musikerpersönlichkeiten weiterentwickeln, verändern sich auch die Interpretationen. Nachzuhören ist das eindrucksvoll an ihren Mozart-Lesarten im Verlauf der Jahre.

Überhaupt klingen die Wiener Klassiker beim Hagen Quartett aufregend, schrundig, dramatisch und unerhört. Vertreter des 20. Jahrhunderts, Bartók, Janáˇcek, Lutoslawski, Kurtág, Ligeti, wirken so frisch, als ob sie eben erst für die vier Musiker geschrieben hätten. Und oft arbeitet das Quartett auch eng mit Zeitgenossen zusammen, etwa jüngst mit dem Österreicher Georg Friedrich Haas bei der Uraufführung seines Streichquartetts Nr. 6.

Um ihre hohen, durchaus eigenwilligen Ansprüche weiterhin realisieren zu können, haben die Musiker des Hagen Quartetts ihrem langjährigen Partner Deutsche Grammophon den Rücken gekehrt und sind zum jungen Label myrios classics gewechselt, wo sie Wiener Klassik mit Anton Webern verbinden können: Die aktuelle CD „Hagen Quartett 30“ mit Beethovens Rasumowsky-Quartett op. 59 Nr. 2, Mozarts Quartett Es-Dur KV 428 und Weberns Fünf Sätzen op. 5 und den Bagatellen op. 9 hat ihnen prompt den ECHO Klassik 2011 in der Kategorie „Ensemble des Jahres“ eingebracht. Das Jubiläum begeht das Hagen Quartett mit sehr persönlichen Zusammenstellungen, verrät Rainer Schmidt: „Wir haben uns Programme ausgesucht mit Werken, die wir in den letzten 30 Jahren besonders gern gespielt haben. Im Grunde ‚feiern‘ wir so das ganze Jahr lang.“ Bei ihrem Gastspiel in der Laeiszhalle lassen die vier Musiker ihre persönlichen Favoriten von Haydn, Brahms und Bartók hören.

CD-Tipp

Hagen Quartett 30
Beethoven: „Rasumowsky“-Quartett, Mozart: Quartett Es-Dur KV 428, Webern: Fünf Sätze op. 5 & Bagatellen op. 9. myrios classics

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