Mezzosopranistin Maite Beaumont im Porträt

Ein Lied für Mahler

An Gustav Mahlers 100. Todestag singt die Mezzosopranistin Maite Beaumont sein Lied von der Erde

© Foto: Nijhoff

Einseitig ist sie wahrhaftig nicht! Mit Händel- und Mozart-Rollen wurde Maite Beaumont bekannt – doch jetzt hat sie die Ehre, zum 100. Todestag Gustav Mahlers am 18. Mai an seiner ehemaligen Wirkungsstätte sein Lied von der Erde zu singen. Und um die Sache noch interessanter zu machen, gibt es das Werk aus dem Jahre 1908/09 in Arnold Schönbergs Bearbeitung für Kammerensemble, ergänzt um ein Frühwerk des späteren Schönberg-Schülers Hanns Eisler, dem Gesang des Abgeschiedenen aus dem Jahre 1918. Ein ebenso unbekanntes wie spannendes Stück, das den jungen Eisler auf den Spuren Mahlers zeigt. Sein Zyklus für Altstimme und Kammerorchester bezieht sich nicht nur thematisch auf das Lied von der Erde, sondern auch musikalisch; erst später sollte Eisler die Musik Mahlers ablehnen.

Maite Beaumont: Sängerin und Soziologin

Dass Maite Beaumont sich gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz dieser außergewöhnlichen Musik des 20. Jahrhunderts widmet, ist aber keine Überraschung – schon 2006 hatte sie mit demselben Ensemble unter anderem mit Mahler-Liedern das Hamburger Publikum begeistert. Und bereits in Studientagen war das Interesse der Mezzosopranistin breit gefächert gewesen: Neben dem Gesangsstudium in ihrer Heimatstadt Pamplona schloss sie auch ein Soziologiestudium ab, ehe sie 1999 an die Hamburger Musikhochschule wechselte. Zu Hanna Schwarz, die Beaumont ihren „wichtigsten künstlerischen Einfluss“ nennt.

Hier begann dann auch, durch einen Zufall, ihre internationale Karriere: Magdalena Kozená musste 2002 krankheitsbedingt ihren Auftritt als Ruggiero in Händels Alcina absagen. Maite Beaumont sprang ein – und just an diesem Tag besuchte ein besonderer Gast die Staatsoper: Krimi-Autorin und Händel-Fan Donna Leon, die von diesem Erlebnis gerne erzählt: „Ich war nur für diesen Abend nach Hamburg geflogen. Als ich an der Oper ankam, wurde ich richtig wütend, da eine völlig Unbekannte die eigentliche Sängerin ersetzen sollte. Doch als Maite zu singen begann, dachte ich nur noch ,Wow!‘“

Karrierekick dank Donna Leon

Reichlich Wettbewerbe hatte Maite Beaumont auch vorher schon gewonnen, doch nun begann die Karriere richtig: Donna Leon lud sie ein, bei „La Maga Abbandonata“ mitzumachen, ihrem erfolgreichen CD-Projekt, das sie gemeinsam mit dem Dirigenten Alan Curtis und der Sopranistin Simone Kermes realisierte, einer weiteren Entdeckung der Schriftstellerin. Es folgten ihre Debüts in Salzburg, Paris, Mailand, Brüssel und München, und kürzlich lud der Altmeister der Alten Musik, Nikolaus Harnoncourt, Maite Beaumont zur Haydn-Oper Il mondo della luna ins Theater an der Wien.

Von der Kritik wird die außergewöhnliche Stimme der Sängerin ebenso hervorgehoben wie ihre Ausstrahlung: Von ihrem „betörenden Mezzo“ sprach Stimmpapst Jürgen Kesting einmal; „farbig“, „voll“ und „beweglich“ sind andere Begriffe, mit denen ihr tief timbrierter Mezzo beschrieben wird. Ideal nicht nur für Händel, der ja seine schönsten Arien für Altstimme schrieb, sondern auch für Mahler und Eisler, denn beide hatten eine Altstimme vor Ohren, als sie die beiden Werke des Abends komponierten.

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