Laserstrahlen und Explosionen

Rezension Benedict Kloeckner – Rihm: Über die Linie I

Laserstrahlen und Explosionen

Benedict Kloeckner hat sich in Berlin mit seinem Cello in einen Bunker begeben und „Über die Linie“ von Rihm gespielt: Ein Ereignis.

Was für ein Celloton – körperlich, elementar! Zu hören sind die Bogenstriche, das Atmen von Benedict Kloeckner, hörbar auch die physische Kraftanstrengung, das emotionale Mitgehen. Dann das Ausbreiten der Schallwellen im Raum, einem Bunker in Berlin-Prenzlauer Berg: Schneidende Höhen, akustische Pfeile, grelle Strahlen wie Laser, gellende instrumentale Schreie, flirrende Signale, die in der Weite der Gemäuer vernebeln. Und tiefes Rumoren, das sich massig verbreitert, mal dumpfe, mal peitschende Explosionen. Diese Aufnahme macht tatsächlich neue Klangaspekte in Wolfgang Rihms Solostück „Über die Linie“ sinnlich nachvollziehbar. Die Wahl des Aufnahmeorts ist ein Gewinn. Gleichzeitig – dank der Gestaltungskraft von Benedict Kloeckner – erwachsen immer wieder wild leidenschaftliche Melodien, gespielt mit eindrucksvoller Vehemenz. Kloeckner rockt den Rihm. Da braucht es nur dieses Stück auf der CD.

© Marco Borggreve

Benedict Kloeckner

Benedict Kloeckner

Rihm: Über die Linie I

Benedict Kloeckner (Violoncello)
Plaist

Weitere Rezensionen

Rezension Benedict Kloeckner – J. S. Bach: Cello-Suiten

Altes Testament im Hier und Jetzt

Benedict Kloeckner nutzte die Phasen des Lockdowns, um Bachs Cello-Suiten – gepaart mit zeitgenössischen Kompositionen – einzuspielen. weiter

Rezension Ragnhild Hemsing – Røta

Zurück zu den Wurzeln

Ragnhild Hemsing eröffnet ein weites Panorama zwischen elegantem Salon und tief empfundenen, „wilden“ Klängen, von Grieg bis zu Folklorestücken. weiter

Rezension Zwischen Nostalgie und Revolution

Perfekte Symbiose

Benedict Kloeckner trifft, in perfekter Symbiose mit der Pianistin Danae Dörken, den romantischen Tonfall der schumannschen Charakterstücke. weiter

Termine

Freitag, 21.04.2023 20:00 Uhr Paterskirche Kempen

Ragnhild Hemsing, Benedict Kloeckner, Mario Häring

Dvořák: Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 90 „Dumky“, Musik aus Norwegen

Auch interessant

Interview Benedict Kloeckner

„Die Musik ist kein Museum und wir sind keine Museumsverwalter“

Trotz der Herausforderungen, die die Corona-Pandemie an alle Musiker stellt, war Benedict Kloeckner in den letzten zwölf Monaten äußerst produktiv: ein neues Album, sein eigenes Festival und diverse Streaming-Konzerte. Im Interview erzählt er, wie er das Beste aus der Situation… weiter

#deinconcertiabend

Allein mit dem Cello

Cellist Benedict Kloeckner spielt am 29.3. Bach und Sollima live aus Paris bei #deinconcertiabend. weiter

Kommentare sind geschlossen.