Startseite » Rezensionen » Ein Stück von der Welt

Buchrezension – Wilfried Hösl: Through the Looking Glass

Ein Stück von der Welt

Wilfried Hösls Bildband „Through the Looking Glass“ erzählt von den vergangenen 32 Jahren der Bayerischen Staatsoper.

vonMaximilian Theiss,

Einst verbrachte Wilfried Hösl als Kind einen Urlaub am Tegernsee. Wenige Tage später hatte er die Fotografien des Urlaubs in der Hand – für den späteren Fotografen der Bayerischen Staatsoper und des Staatsballetts ein magischer Moment: Er konnte ein Stück von der Welt mit nach Hause nehmen. Das Erlebnis hat seinen Berufswunsch maßgeblich beeinflusst, wie Hösl im sehr lesenswerten, wenn auch nicht mehr ganz taufrischen Eingangsinterview von 2005 erzählt, das dem Bildband „Through the Looking Glass“ vorangestellt ist. Spannend ist auch der Schlussgedanke im Interview, in dem er ein Hohelied auf die an sich so verpönte Reproduktion anstimmt. Das Buch ist vor allem für langjährige Abonnenten ein ganz zauberhafter Erinnerungsalmanach, den man sich gerne ansieht. Schön ist auch die Idee, dass Hösl seine dreißigjährige Schaffenszeit chronologisch rückwärts erzählt, von der vertrauten Perfektion, die die Wundermaschinen heutzutage hervorzaubern, bis hin zu den künstlerisch-verspielten Analogbildern der neunziger Jahre.

Die Entwicklung lässt sich zeitlich noch weiter nach hinten verfolgen, denn im Schlusskapitel sind noch Theaterfotos von 1993 bis 1983 zu sehen, bei denen sich der Jungfotograf Hösl am Münchner Residenztheater in seiner Kreativität sichtlich ausgetobt hat. Von besonderer Magie sind aber auch die Porträtfotos, teils hinter den Kulissen, teils auch sehr spontan geschossen. Sie zeigen Menschen, keine Figuren, was im Kontext der Bühnenfotografie eine ganz besondere Intimität erzeugt.

Fotograf Wilfried Hösl
Fotograf Wilfried Hösl

Through the Looking Glass
Wilfried Hösl
Schirmer/Mosel, 240 Seiten
49,80 Euro

Auch interessant

Rezensionen

Aktuelle Rezensionen

  • „Es ist eine ewige Entdeckungsreise“
    Interview Rudolf Buchbinder

    „Es ist eine ewige Entdeckungsreise“

    Pianist Rudolf Buchbinder über Schuberts Tänze, das Grafenegg Festival, seine Faszination für verschiedene Ausgaben von Beethoven-Sonaten – und die Fußball-Weltmeisterschaft.

Anzeige

Audio der Woche

Atemberaubendes Feuerwerk

Mit funkelnder Virtuosität und unbändiger Ausdruckskraft widmet sich Simone Kermes einer echten Rarität: der Arie È follia d’un alma stolta aus dem Oratorium Giob von Carl Ditters von Dittersdorf. Ein atemberaubendes Feuerwerk klassischer Koloraturkunst – und die Wiederentdeckung eines nahezu vergessenen Meisterwerks. Ein Track aus dem neuen Album „La Luce“.

jpc Logo
Amazon Logo
Apple Music Button

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!