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Rezension Leif Ove Andsnes – Tveitt: Sonata etere & Lieder

Kost für Kenner

Leif Ove Andsnes erweist sich als versierter Fürsprecher der Musik seines norwegischen Landsmanns Geir Tveitt.

vonJan-Hendrik Maier,

Mehr als dreißig Klaviersonaten hat der Norweger Geir Tveitt (1908–1981) komponiert. Der Nachwelt erhalten geblieben ist infolge eines Hausbrands einzig seine „Sonata etere“ aus dem Jahr 1947. Leif Ove Andsnes erweist sich mit seinem kontrollierten, vorwärtsgetriebenen und Souveränität ausstrahlenden Spiel als idealer und versierter Interpret des halbstündigen Werks, das den Hörer beim Erstkontakt zugleich fasziniert und erschöpft zurücklässt. Ersteres ist dem Umstand geschuldet, dass die Sonate trotz ihres simplen Ausgangsmaterials – zwei Melodiefragmente norwegischer Volkslieder – einen ungeheuren Sog entfaltet. Man will einfach wissen, welche musikalischen Kniffe als Nächstes folgen. Der Preis dafür besteht jedoch in einer enormen Komplexität, die von mechanischen Repetitionen à la Prokofjew über impressionistisch angehauchte Cluster und das Spiel mit Texturen im Stile eines Charles Ives bis zu modalen Tonfolgen und die zeitweilige Reduktion des Klangs auf Obertöne reicht. Das ist Kost für Kenner.

Deutlich eingängiger sind die durchweg lyrisch genommenen „Volkslieder aus Hardanger“ – kleine Charakterstücke, die in ihrer Form an Lieder ohne Worte erinnern. Im Grenzbereich zwischen Volks- und Kunstlied bewegen sich indes Tveitts Lieder, die Andsnes mit seiner Schwester Solveig aufgenommen hat. Harmonisch kühn erinnern sie mitunter an magische Zauberwelten. Leider finden sich im Booklet nur die norwegischen Texte.

Tveitt: Klaviersonate Nr. 29 op. 129 „Sonate etere“, Fünfzig Volkslieder aus Hardanger op. 150 (Auswahl) & Lieder

Leif Ove Andsnes (Klavier), Solveig Andsnes (Gesang)
Simax

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