C. Bechstein Klavierabende: Abdel Rahman El Bacha

Ein Phänomen materialisiert sich in Berlin

Der Pianist Abdel Rahman El Bacha, der im Rahmen der C. Bechstein Klavierabende spielt, ist in Deutschland nahezu unbekannt. Warum eigentlich?

© Marco Borggreve

Abdel Rachman El Bacha

Abdel Rachman El Bacha

Der große Claudio Arrau prophezeite ihm bereits 1973 nach einem Konzert eine „brillante Karriere“, sein umfangreicher Aufnahmekatalog wurde von Kritikern hochgelobt: Die zwei Bücher des „Wohltemperierten Klaviers“ von Bach, das Komplettwerk für Klavier von Ravel, Kompositionen von Schumann, Schubert und Chopin, die 24 Préludes von Rachmaninow. Und dennoch: Wer ist Abdel Rahman El Bacha? 1958 in Beirut in eine Musikerfamilie hineingeboren, begann er 1967 mit dem Klavierstudium bei Zvart Sarkissian, mit zehn Jahren gab er sein erstes Konzert mit Orchester.

Anzeige

Als er sechzehn war, boten ihm Frankreich, die Sowjetunion und England ein Stipendium an. Er wählte Frankreich – aus kulturellen Gründen, wie er sagt – und studierte in der Klasse von Pierre Sancan am Nationalen Musikkonservatorium in Paris, wo er insgesamt vier erste Preise in den Fächern Klavier, Kammermusik, Harmonie und Kontrapunkt erhielt. Nachdem er außerdem den Ersten Preis beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel einstimmig gewonnen hatte, schien der Weg zur internationalen Karriere vorgezeichnet. El Bacha beschloss jedoch, zunächst abzuwarten, um sein Repertoire zu vergrößern und zu vervollkommnen.

Anzeige

C. Bechstein Klavierabende: Abdel Rahman El Bacha

Der Hektik der rasanten musikalischen Erdumrundungen tritt er gelassen entgegen, Starallüren kennt er nicht. „Ich wollte mein künstlerisches Leben nie dem öffentlichen Ruhm opfern“, erklärt der Pianist mit dem Charakterkopf. Und obschon er seit 1981 die doppelte französisch-libanesische Staatsangehörigkeit besitzt, eine Zeit lang in der Schweiz wohnte und heute in Brüssel lebt, scheint er für die Welt ein unsichtbares, nur selten sich materialisierendes Phänomen zu sein. Im Konzerthaus Berlin bietet sich nun die Gelegenheit, die flinken Hände aus unmittelbarer Nähe zu erleben. Ausschließlich Werke von Chopin werden zu hören sein beim Recital, das im Rahmen der C. Bechstein Klavierabende stattfindet. „Chopins Musik ist reines Gefühl und doch mit großer Intelligenz geschrieben“, so El Bacha. „Klassisch, weil prägnant und maßvoll, romantisch durch sein ausdrucksstarkes Universum und schließlich modern durch seinen Wagemut.“

Auch interessant

Berlin: Richard Strauss-Uraufführung in der Philharmonie Berlin

Sachbearbeiter im Dienste des Komponisten

Der Komponist Thomas Hennig hat das letzte Werk von Richard Strauss vervollständigt. In Berlin findet nun die Uraufführung statt. weiter

Komische Oper Berlin: „Die Zaubermelodika“

Der mit dem Drachen spielt

Eine Sauna, eine blöde Harmonika und eine Dragqueen: In Berlin wird Mozarts „Zauberflöte“ weitererzählt. weiter

Opern-Kritik: Deutsche Oper Berlin – Götterdämmerung

Alles nur Theater

(Berlin, 17.10.2021) Die großen Fragen von Wagners „Ring“ lässt Stefan Herheim unbeantwortet, große Schau- und Unterhaltungswerte bietet seine Inszenierung allemal. Sir Donald Runnicles und sein Orchester sind dafür wieder in Spitzenform. weiter

Kommentare sind geschlossen.