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Pēteris Vasks zum 80. Geburtstag

Die Schönheit ans Licht bringen

In der Musik von Pēteris Vasks leuchtet aus Schmerz und Dunkelheit Zuversicht hervor, die einer großen Liebe zu Mensch und Natur entspringt. Heute feiert der lettische Komponist seinen 80. Geburtstag.

vonBenjamin Elsholz,

Während im Herbst 1989 in Ostdeutschland Kerzen im Zeichen des friedlichen Protests erglommen, erfüllte das Baltikum tausendstimmiger Gesang. Mit verbotenen Volksliedern verliehen die Menschen in Estland, Lettland und Litauen ihrem Wunsch nach nationaler Unabhängigkeit Ausdruck. Die „Singende Revolution“ wurzelte in einer tief verankerten Liedtradition, die den bekanntesten Komponisten Lettlands ebenso beeinflusste wie das Schicksal seines Heimatlandes: Pēteris Vasks. In seiner Musik greift er auf folkloristische Melodik zurück; zugleich prägt die Unterdrückung der lettischen Bevölkerung durch die Sowjetunion sein Schaffen bis heute. Als 1946 geborener Sohn eines baptistischen Pfarrers erlebte er die Repressionen des Regimes früh aus eigener Anschauung. Zunächst studierte Vasks Kontrabass und lernte dabei die Kompositionen der polnischen Avantgarde um Penderecki und Lutosławski kennen. In Riga nahm er daraufhin ein Kompositionsstudium auf. Erste eigene Werke bedienten sich einer experimentellen, schroffen Klangsprache, die das Leiden seines Volkes spiegelt. Von unaussprechlichem Schmerz zeugt etwa der zwölfstimmige Chorklang seiner Ballade „Litene“.

Das Schimmern der Zuversicht

Im Laufe seines Schaffens wurde Vasks’ Stil versöhnlicher, ohne seine Innovationskraft zu verlieren. Gerade angesichts allgegenwärtiger Gewalt und Verzweiflung ist es dem Letten ein Anliegen, in seiner Musik auch die Schönheit der Welt zu zeigen. Dabei ist Vasks kein Utopist; das Dunkle und Abgründige ist stets präsent, doch Liebe und Menschlichkeit weisen einen Ausweg. Durch alle Dramatik ist in seinen Kompositionen ein „fernes Licht“ zu erahnen, nicht nur in seinem so betitelten Violinkonzert („Tālā gaisma“): Dort tastet sich nach entfesseltem Kampf eine zarte Melodie aus der Stille. Inspiration und Energie gewinnt Vasks aus der Natur – Vogelsang, Waldesrauschen und Flussplätschern sind ein Kraftquell für den Komponisten, der auch in seinen Werken zu hören ist.

Stimmen für den Frieden

Die besondere Liebe des studierten Kontrabassisten zu Streichinstrumenten spricht aus seinen Werken: Weit gespannte Streicherflächen streben ins Unendliche und tragen eine tiefe Sehnsucht nach Frieden. Überraschenderweise ist Vasks’ Lieblingsinstrument nicht sein eigenes, sondern das Cello. Auf Wunsch der Cellistin Sol Gabetta komponierte er 2012 sein zweites Cellokonzert, in dem die Solistin im dritten Satz gleichzeitig spielt und singt. Ohnehin ist der vokale Ausdruck wichtig für den Letten, der seine Musik als besonders organisch in Verbindung mit seiner Muttersprache empfindet. Ein Gegengewicht zum schmerzerfüllten „Litene“ bilden seine zahlreichen musikalischen Friedensbitten wie „The Fruit of Silence“, die sanfte Vertonung eines Gebets von Mutter Teresa. Als gläubiger Christ mit sehr universellem Gottesverständnis bezeichnet Vasks Musik als „die schönste Stimme von Gott“. Sie möchte er nutzen, um Menschen unmittelbar zu berühren – und grenzt sich damit bewusst von der Aura des Elfenbeinturms ab, die Neue Musik häufig umgibt. Darüber hinaus ist Vasks ein äußerst politischer Mensch, der große Solidarität mit der Ukraine zeigt und mit Kritik an der Gegenwart nicht spart. Als Gegner des blinden Fortschritts empfiehlt er, den Blick häufiger in den Himmel zu richten und die Sterne zu betrachten. Seine Musik zu hören, hat eine ähnliche Wirkung.












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