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Duisburger Philharmoniker ehren Dora Pejačević

Sinfonie einer Pionierin

Mit Werken von Pejačević und Brahms öffnen die Duisburger Philharmoniker unter Benjamin Reiners weite sinfonische Klangwelten.

vonRedaktion,

Als erste kroatische Komponistin vollendete Dora Pejačević 1918 eine Sinfonie. Das groß dimensionierte Werk in fis-Moll verbindet in bester Fin-de-Siècle-Manier den letzten Hauch spätromantischer Klangwelten, inklusive Anleihen an Anton Bruckner, mit der frühen Moderne. Wenige Wochen nach der Fertigstellung wurden die beiden Mittelsätze erstmals im Wiener Musikverein gespielt. Aus heutiger Sicht ist es ein Skandal, dass man damals absichtlich Pejačević als Urheberin verschwieg, allein weil das Werk einer Frau das Publikum vermeintlich negativ stimmen könnte. Das Gegenteil war der Fall: Die Auszüge wurden mit frenetischem Applaus bedacht. Zwei Jahre später schließlich feierte die Sinfonie ihre umjubelte Uraufführung in Dresden. Als auch der Leipziger Gewandhauskapellmeister Arthur Nikisch Interesse am Werk signalisierte, standen für Pejačević alle Zeichen auf Erfolg. Doch kurz vor der geplanten Aufführung 1922 starb Nikisch, und ihre Sinfonie geriet in Vergessenheit. Sie erlitt in der Folge eine Schreibblockade und zog sich ins Private zurück. Im Alter von 37 Jahren starb Pejačević nur wenige Monate später im März 1923 in München.

Brahms-Preisträger als Solist bei Duisburger Philharmonikern

In jüngerer Vergangenheit rückt das Schaffen der großen Künstlerin auch außerhalb Kroatiens, wo es bereits in den 1990er-Jahren wieder Einzug ins kulturelle Bewusstsein hielt, in den Fokus der Klangkörper. Die Duisburger Philharmoniker nehmen sich Pejačević Sinfonie nun unter der Leitung von Benjamin Reiners an. Dem gegenüber steht Johannes Brahms’ erstes Klavierkonzert, das mit seinen sinfonischen Ausmaßen und einer Aufführungsdauer von 50 Minuten zu den längsten Vertretern der Gattung zählt. Den Solopart übernimmt an diesem Abend mit Gerhard Oppitz ein versierter und feinfühliger Interpret, der 2009 mit dem Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein geehrt wurde.

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