Komponistinnenprojekt „Diabelli Recomposed“

Nach 200 Jahren kommen endlich auch die Frauen zum Zug

Das internationale Komponistinnenprojekt „Diabelli Recomposed“ bietet 50 Uraufführungen am Stück.

© Maria Frodl

Abstrahiert das Prinzip Variation auf radikale Weise: Komponistin Ying Wang

Abstrahiert das Prinzip Variation auf radikale Weise: Komponistin Ying Wang

Ein genialer Marketingtrick: Um die Namensänderung der Firma „Cappi & Diabelli“ in „Anton Diabelli Compagnie“ als Marke zu etablieren, beauftragte der Wiener Musikverleger Anton Diabelli fünfzig Komponisten, über ein vorgegebenes Walzerthema eine Variation zu schreiben. Franz Schubert, Carl Czerny und das 13-jährige Wunderkind Franz Liszt wirkten mit. Nur Beethoven begnügte sich nicht mit einer, sondern schrieb gleich „33 Diabelli-Variationen“ in seinem berühmten Opus 120, erschienen 1823. Genau 200 Jahre später bietet dieses Erscheinungsdatum den Anlass für einen neuen Aufruf.

Blieb es einst bei einer reinen Männerveranstaltung aus Wien, so hat jetzt die Braunschweiger Pianistin und Musikwissenschaftlerin Claudia Bigos für „Diabelli Recomposed“ fünfzig Komponistinnen aus 22 Ländern zu einem kurzen Beitrag über das Diabelli-Walzerthema eingeladen: Von der Armenierin Marie Awadis und Zela Margossian aus Australien bis zu Marina Baranova aus der Ukraine und Jessi Harvey aus den USA. Mit dabei sind auch die in Oldenburg lebende, aus Rumänien stammende Violeta Dinescu und die Chinesin Ying Wang, die in Berlin ihre Wahlheimat gefunden hat. In ihrem Stück „Y-axis. A Diabelli Variation“ abstrahiert Wang das Prinzip Variation auf radikale Weise. Sie verwischt bewusst Konturen und arbeitet stattdessen mit Dichtegraden. Material der Vorlage wird zu Clustern verdichtet, die sich teils an Rhythmen aus Beethovens Klavierwerk orientieren.

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