Beethoven: Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21

(UA Wien 1800)

Zu Anfang ein paar typische, kadenzierende Schlußformeln – so war Sinfonia bis jetzt. Dann eine einladende große Geste der Violinen – jetzt aber kommt Symphonie: der aufgefächerte, „vereinzelte“ (Beethoven), bewegte, von innen leuchtende, warme Orchesterklang öffnet uns das Herz...knapper, wesentlicher – und selbstbewußter kann eine Einleitung nicht sein.

Der unvermittelt folgende „feurige“ (con brio) Hauptteil hat aufrührerischen, kämpferischen Charakter – die französische Revolution war keine zehn Jahre her...

Wie Shakespeare und Schiller in der Form des fünfaktigen Dramas dachten, dachte Beethoven in der Sonatenhauptsatzform: zwei Themen – These und Antithese – und eine zusammenfassende Schlußgruppe bilden die Exposition. In der Durchführung enwickeln sich die Energien der Themen. Die Reprise ist der Triumph der wiederkehrenden Themen. Die Coda zieht die Konsequenzen aus Durchführung und Reprise.

Als hätte ihm Haydn das heitere Andante-Thema zur Bearbeitung gegeben, beginnt Beethoven den langsamen Satz – einstimmig und einstimmend. Er läßt das Thema seine Begleitung aus sich selbst finden, dann geht der Satz in Frieden seinen Weg – gelegentlich erinnern ferne Pauken- und Trompetensignale daran, daß in der Welt kein Frieden ist...

Der dritte Satz heißt noch Menuetto, ist aber schon ein Scherzo (Allegro molto e vivace). Beethoven macht allen – vom König bis zum Bauern – Beine, seine Scherzi lassen die Puppen tanzen, sie sind vor allem intelligent: „der Geist ist meine liebste Monarchie“...

Vierter Satz: wieder eine Einleitung, wieder ganz kurz, nur eine Zeile in der Partitur: ein Ton- plus zwei- plus drei- und so fort bis sieben, langsam und leise – dann rast das Thema die entstandene Tonleiter hinauf. Es könnte auch von Haydn sein, wären da nicht Tempo, Dynamik und Überschwang bis zur Wildheit: schon in der ersten Symphonie herrscht ein neuer Geist – man darf gespannt sein!

(Mathias Husmann)

Werk der Woche - Beethoven: Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Tradition und Kühnheit

Mit seiner ersten Sinfonie beginnt Beethovens sinfonisches Schaffen, das den… weiter