Schumann: Klavierkonzert a-moll

op.54 (1841 erster Satz als Phantasie, 1845 als dreisätziges Konzert)

Zu diesem Konzert darf der Dirigent erst dann den Einsatz geben, wenn der Pianist bereit ist, denn gleich nach dem ersten, kurzen Forteschlag des Orchesters setzt das Klavier ein – nicht mit einer freien Kadenz („ich kann kein Konzert für Virtuosen schreiben“), sondern mit einem rhythmisch betonten Eingang („affettuoso“), in dem der Ernst und die Kraft des eigenen Stils („ich muß auf etwas anderes sinnen“) zum Ausdruck kommen. Dann kadenzieren Klavier und Orchester energisch nach a-moll, als sollte das Stück schon enden, wäre da nicht – wie ein Nachhall – das lyrische, von der Oboe angeführte Thema: wie schön klingt doch Orchester! Das Klavier träumt das Thema in Diskantlage nach: wie schön klingt doch Klavier! Dabei macht eine kleine harmonische Variante uns lächeln...und nun beginnt ein wunderbares miteinander- Konzertieren: das Orchester immer ausdrucksvoll, das Klavier immer in Bewegung – „wie reich an Erfindung, wie interessant vom Anfang bis zum Ende, wie frisch, und welch ein schönes und zusammenhängendes Ganzes!“ jubelte Clara Schumann. Sie durfte glücklich sein über dieses Konzert, in welchem immerfort ihr Name anklingt, und sie war es auch, als sie es in Leipzig unter Mendelssohns Leitung spielte, welcher im dritten Satz die vertrackten Hemiolen des schelmischen Seitenthemas zu dirigieren verstand.

Die expressiven Klarinettenphrasen, die kraftvolle und poetische Klavierkadenz, die rasante, spukhafte Stretta gemeinsam mit dem Orchester als Schluß des ersten Satzes, das sehnsuchtsvolle Cellothema im zart instrumentierten zweiten Satz, die geheimnisvolle Überleitung zum schwungvollen Finale, der perlende Klaviersatz, die herrliche Schlußsteigerung – das Schwärmen findet kein Ende: dies ist reinste Romantik in klassischer Vollendung!

(Mathias Husmann)