Peter Krause

Artikel
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Schöne neue Welt
(Dortmund, 14.5.2026) Der russische Dichter Jewgeni Samjatin erkannte schon 1920 visionär die Schreckensherrschaft eines totalitären Systems. Die Komponistin Sarah Nemtsov transformierte nun seinen Roman „We“ in eine Oper voller Horrorfilmeffekte.
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Land in Sicht!
Mit Fokus auf den Gründungsmythos der USA und geschärftem Blick gen Westen tritt Alain Perroux die Nachfolge von Aviel Cahn als Intendant des Grand Théâtre de Genève an. Die Spielzeit 2026/27 bietet aber auch ein farbenfrohes Bouquet an bekannten und beliebten Werken.
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Kampf der Königinnen
(München, 10.5.2026) Fesselnd, fasslich und farbenreich gerät Brett Deans umjubelte Uraufführung über das Schicksal der Königinnen Elizabeth Tudor und Mary Stuart. Zwei große Sängerdarstellerinnen tragen den Abend. Es bleiben nur wenige Fragezeichen.
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Warten auf Wagner
Der „Wagner-Kosmos“ des Theater Dortmund geht in seine siebte Runde und widmet sich dieses Jahr dem Einfluss des Bayreuther Meisters auf seine Zeit und sein künstlerisches Umfeld.
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„Freude, schöner Götterfunken“
Zubin Mehta wird heute 90 Jahre alt. Als Lustdirigent, Menschenfreund und Menschenfischer entfacht er den Wärmestrom des begeisterten gemeinsamen Musikmachens.
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Ein stiller Schmerzensmann
(Lübeck, 25.4.2026) Schnörkellos, unsentimental und präzise, so ganz ohne wohlfeile Regieeinfälle führt uns Brigitte Fassbaender Wozzecks Schicksal vor Augen. Baritonstar Bo Skovhus begeistert in der Titelpartie von Alban Bergs Oper.
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Grausame Schönheit
Puccinis „Turandot“ wurde vor 100 Jahren uraufgeführt. Ein Werk zwischen den Polen der kulturellen Aneignung, des Kitsches, des aufkommenden Faschismus, des Märchens, der Psychologie und des Aufbruchs in die Moderne. Ist Puccinis unvollendeter Schwanengesang heute noch zu retten?
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Traumata eines Rückkehrers
(Genf, 23.4.2026) Regisseurin Barbora Horáková legt mit ihrer Inszenierung von Puccinis angeblichem Rührstück eine die Interpretations- und Rezeptionsgeschichte fortschreibende famose Deutung vor. Mit hellhöriger Poesie statt mit wohlfeilem Deutungsholzhammer.
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Tanzende Körper in der Ursuppe
(Genf, 19.3.2026) Bei seinem Opernregiedebüt in Genf lehrt uns Choreograf Edward Clug auf feinsinnige Weise das Staunen. Poesie, Fantasie und Magie schlagen jeglichen Realismus in Rameaus barockem Wunderwerk „Castor et Pollux“.
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Der Strahlemann-Superman
(Dortmund, 15.3.2026) Zwischen Schlachtengemälde und utopischer Sehnsucht wird am Theater Dortmund die deutsche Erstaufführung der „Mazeppa“ von Clémence de Grandval zur grandiosen Ausgrabung und Wiederbelebung einer späten Grand Opéra.
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Kultur nach Kassenlage
Opernhäuser hängen am finanziellen Tropf der Kommunen, denen das Geld ausgeht. Daher braucht es radikale Reformen.
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Eine Puppenstube wird zum Horrorhaus
(Frankfurt am Main, 1.3.2026) Regisseurin Tatjana Gürbaca setzt in ihrer Neuinszenierung einer der stärksten Opern des 21. Jahrhunderts auf subtil ausgelotete Momente einer surreal angehauchten Poesie des Abgründigen. Auch musikalisch entlockt Erik Nielsen der Partitur neue Facetten.
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Der Großmeister der tosenden Stille
György Kurtágs Werk ist so tiefsinnig wie es unbeschreiblich ist. Heute feiert der ungarisch-französische Komponist seinen 100. Geburtstag.
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Die pazifistische Kriegsoper
(München, 14.2.2026) Der grandiose Torso von Alexander Borodins „Fürst Igor“ scheint heute fast uninszenierbar: Regisseur Roland Schwab und Chefdirigent Rubén Dubrovsky finden dennoch einen Weg, aus dem Fragment und seiner Diversität berührendes Musiktheater mit einer starken Botschaft zu destillieren.
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Intimität und Vision
In der Schweiz werden Resonanzräume für klassische Musik nicht bloß behauptet, sie entstehen auf ganz natürliche Weise.
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Alpenasyl als Inspiration
Die Schweiz war ein Schutzraum für komponierende Flüchtlinge. Hier entstanden einige der erfolgreichsten Opern des modernen Musiktheaters.
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Im Rossini-Absurdistan
(Genf, 23.1.2026) Mit Michele Spotti am Pult des Orchestre de la Suisse Romande ist ein Rossini-Überzeugungstäter am Werk, der ganz tief in die Partitur eines Buffa-Meisterwerks hineinlauscht. Die Inszenierung von Julien Chavaz lässt die Komödie nach allen Regeln der Kunst abschnurren.
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Mahler meets Marthaler
(Hamburg, 15.1.2026) Nach diesem Musiktheaterabend an der Staatsoper Hamburg wird man Mahler anders hören: Regisseur Marthalers Methode wird in „Die Unruhenden“ nie zur Masche, sondern knackt Mahlers Musik nachgerade genialisch.
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Die Glut für das Feuer
Für Matthias Pintschers Märchenoper „Das kalte Herz“ hat Daniel Arkadij Gerzenberg erstmals ein Libretto verfasst.
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Sehen und gesehen werden
Was ziehen wir bloß an? Wer sich in der Oper an alten Ritualen orientiert, outet sich als provinziell. Ein Plädoyer für Diversität in Garderobendingen
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Regietheater von der Stange
(Hamburg, 9.11.2025) Michail Glinkas Zauberoper „Ruslan und Ljudmila“ sieht in der Inszenierung des gerade ziemlich angesagten Regie-Duos von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka zwar mit buntem Graffiti und abgewrackten Metro-Kiosken wirklich dekorativ aus. Sie bietet jedoch kaum imaginativen Mehrwert. Musikalisch berührt die Premiere weit mehr.




















