Den meisten dürfte Rellingen, die beschauliche Gemeinde am südöstlichen Rand Hamburgs, kaum ein Begriff sein. Und doch verbirgt sich hier mit der Rellinger Kirche ein architektonisches und kulturhistorisches Juwel. Mit ihrem oktogonalen Grundriss, der markanten Laterne als Dachabschluss und ihres lichtdurchfluteten, holzvertäfelten Innenlebens zählt sie zu den ältesten Barockkirchen Norddeutschlands – und war schon zur Einweihung 1754 Anlass für große Musik, als Georg Philipp Telemann eigens eine Kantate komponierte. An diese besondere Aura schloss der Violinist Lutz Leskowitz an, als er 1986 das Mai-Festival Rellingen ins Leben rief. Seither hat sich das Festival – mit nur einer Unterbrechung – zu einem kleinen kulturellen Resonanzraum jenseits der großen Zentren verwandelt.
Seit 2025 hat Anne von Twardowski die künstlerische Leitung beim Mai-Festival Rellingen mit dem Ziel übernommen, die regionale Identität und die kulturelle Teilhabe zu stärken sowie klassische Musik im ländlichen Raum zukunftsfest zu machen. In ihrer zweiten Ausgabe dreht sich alles um das Thema „Reisen“. So erklingt „Die Geschichte vom Soldaten“ von Igor Strawinsky, gelesen von Dominique Horwitz, als vielschichtige Parabel über das Thema von Heimatlosigkeit und Rückkehr. Im Konzert „Footsteps – Streifzüge“ gehen die Künstler des Festivals konkret auf Musik ein, die sie beim Reisen entdeckt haben oder die sie dort schon immer begleitet hat. Mit böhmisch inspirierter Musik von Dvořák bis zu jiddischen Liedern geraten die Musiker im Abschlusskonzert zwischen Heimat und Fernweh buchstäblich ins Reisefieber.

