Als Fazıl Say Im Dezember 2022 sein Album mit Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“ veröffentlichte, staunte der eine oder andere Kenner des türkischen Pianisten nicht schlecht. Der barocke Repertoireklassiker war in Says Interpretation wider Erwarten kein quergebürsteter Deutungsversuch, sondern vielmehr eine beeindruckende Mischung aus Strenge und Freiheit, die Bach-Fans Erkenntnisse und Neuentdeckungen in dem Zyklus bescherte.
Vorbereitet hatte sich Say, der mit seiner Erfahrung in westlicher Klassik, orientalischer Musik und Jazz als Brückenbauer zwischen den Kulturen gilt, in den Monaten des ersten Corona-Lockdowns, die ihm die nötige Ruhe boten, sich intensiv mit der Komplexität des Werkes auseinanderzusetzen. Seitdem beeindruckt Fazıl Say auch im Konzertsaal mit Bachs Variationskunst. Zu erleben ist Say nun im Saison-Abschlusskonzert der Meisterkonzert im Homburger Saalbau. Nach der Pause eröffnet der Künstler mit seinen eigenen Kompositionen einen sehr persönlichen Kosmos: auf dem Programm stehen die Klaviersonate „Yeni hayat“ („Neues Leben“), drei lyrische Balladen, die Fantasie „Kara Toprak“ sowie zwei von Jazzklängen inspirierte Variationen.




