Auf dem Weg von Schatten nach Licht spannt sich ein klug gebauter Konzertabend, wenn Anna Rakitina am Pult der Württembergischen Philharmonie Reutlingen steht und analytische Schärfe auf klangliche Sinnlichkeit trifft. Gemeinsam mit dem Pianisten Matthias Kirschnereit entfaltet sie ein Programm, das drei musikalische Welten in Beziehung setzt.
Ausgangspunkt ist Johann Sebastian Bach, dessen sechsstimmiges Ricercar aus dem „Musikalischen Opfer“ in der pointillistisch schimmernden Orchestrierung von Anton Webern wie aus dem Schatten heraus aufleuchtet. Von dort führt der Weg zu Wolfgang Amadeus Mozart: Sein Klavierkonzert C-Dur KV 467 strahlt in heiterer Klarheit, ohne seine lyrische Tiefe zu verleugnen – ein ideales Terrain für Kirschnereits feinsinnige Gestaltung.
Den dramatischen Gegenpol bildet Dmitri Schostakowitsch mit seiner Fünften Symphonie, jener doppelbödigen „Antwort“ auf den sowjetischen Realismus, die Triumph und Ironie unauflöslich verschränkt. Rakitina, selbst aus einer Musikerfamilie stammend und als Geigerin geprägt, legt besonderen Wert auf den atmenden Streicherklang und das sensible Austarieren zwischen Orchester und Solist.




