Tan Dun bei den Dresdner Musikfestspielen

Alles kommt wieder

Tan Dun verknüpft in seinem opulenten Auftragswerk Buddha Passion die christliche Passionsgeschichte mit den Lehren Buddhas

Tan Dun © PR/gemeinfrei

Tan Dun

Künftig jährlich eine große Uraufführung – dieses Ziel haben sich die Dresdner Musikfestspiele auf die Fahnen geschrieben. Und schon der Auftakt für die vielversprechende Reihe verschlägt einem den Atem: Der chinesische Komponist Tan Dun schreibt momentan an einer großen, sechsaktigen Oper für Chor und Orchester, der Buddha Passion. Das Werk, das die Musikfestspiele mit dem New York und dem Los Angeles Philharmonic gemeinsam beauftragten, wird unter der Leitung des Komponisten mit den Münchner Philharmonikern und dem Prager Philharmonischen Chor seine Uraufführung in Dresden feiern.

Tan Dun – der neue „Stolz Chinas“

Hier begann übrigens auch Tan Duns internationale Karriere, auch wenn man das heute, da der Wahl-New-Yorker als Komponist von Filmmusiken und Dirigent zeitgenössischer Werke von Erfolg zu Erfolg eilt, kaum glauben mag. 1983 wurde der 26-jährige Musikstudent mitten in der Nacht von einer Parteisekretärin geweckt. Sein Streichquartett Feng Ya Song hatte im fernen Dresden, in der Deutschen Demokratischen Republik, den zweiten Preis im Carl- Maria-von-Weber-Wettbewerb gewonnen!

Es war das erste Mal seit Gründung der Volksrepublik, dass einem Chinesen ein internationaler Musikpreis zugesprochen wurde – Tan Dun, der neue „Stolz Chinas“, und sein Streichquartett, das europäische Traditionen und chinesische Volksliedformen geschickt kombiniert, wurden über Radio und Fernsehen landesweit bekannt.

Christliche Passionsgeschichte trifft auf Buddhas Lehren

So darf Dresden nun durch die Uraufführung der Buddha Passion mehr als dreißig Jahre nach der Veröffentlichung des frühen Streichquartetts erneut als wichtige Wegmarke in Tan Duns künstlerischer Entwicklung gelten. Die neue Universal-Oper nämlich, an der der Komponist schon seit mehreren Jahren arbeitet, geht über die Dimension einer einzelnen Auftragskomposition hinaus.

Sie bildet den Kulminationspunkt zahlloser Studien, bei denen sich Tan Dun von den komplexen Wandbildern in den Höhlentempeln von Dunhuang inspirieren ließ, und verknüpft die christliche Passionsgeschichte mit Buddhas Lehren. Nachdem im Sommer eine chinesische Vokalfassung fertig wurde, schreibt Tan Dun nun an der Orchestrierung und Übersetzung. Sie sind angefixt? Dann auf nach Dresden!

Tan Dun im Video-Porträt:

concerti-Tipp:

Dresdner Musikfestspiele 2018
Tan Dun: Buddha Passion
Mi. 23.05., 20 Uhr
Mit: Münchner Philharmoniker, Prager Philharmonischer Chor und Tan Dun (Leitung)
Ort: Kulturpalast, Dresden

Termine

Sonntag, 20.01.2019 19:00 Uhr Gasteig München

Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev

Rihm: Auftagswerk, Bruckner: Sinfonie Nr. 4 Es-Dur „Romantische“
Montag, 21.01.2019 20:00 Uhr Elbphilharmonie Hamburg

Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev

Strawinsky: Funeral Song op. 5, Rimski-Korsakow: Suite aus „Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija“, Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 4 c-Moll op. 43
Dienstag, 22.01.2019 20:00 Uhr Elbphilharmonie Hamburg
Sonntag, 27.01.2019 19:30 Uhr Münchner Künstlerhaus München

Happy Birthday Wolferl

Münchner Philharmoniker, Studierende des Studiengangs Komposition der HMTM

Freitag, 01.02.2019 20:00 Uhr Gasteig München

Jacqueline Wagner & Julia Lezhneva, Julian Prégardien, Liang Li, Philharmonischer Chor München, Münchner Philharmoniker, Andrew Manze

Haydn: Sinfonie Nr. 104 D-Dur Hob. I:104 „Salomon“, Mozart: Messe c-Moll KV 427 „Große Messe“

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