Radio-Tipp: Deutschlandfunk – Der Pianist Vlado Perlemuter

Auf Ravels Spuren

Christoph Vratz stellt den Cortot-Schüler Vlado Perlemuter vor, der in den Zwanzigerjahren als erster Pianist das komplette Klavierwerk von Maurice Ravel aufführte

© gemeinfrei

Klavierspieler

Vlado Perlemuters Zeit kam spät. Denn zunächst erkannten hauptsächlich seine Freunde und Schüler sein unglaubliches Potenzial. Als Kind polnisch-jüdischer Eltern – sein Vater war Rabbiner – wurde er 1904 in Litauen geboren. Als er vier Jahre alt war, wanderte die Familie nach Frankreich aus. In Paris verbrachte er fast sein gesamtes Leben und knüpfte dort wegweisende Kontakte. Christoph Vratz begibt sich im Deutschlandfunk auf die Spuren von Vlado Perlemuter, der wiederum auf den Spuren von Maurice Ravel gewandelt ist.

Ravels Werk übte auf Vlado Perlemuter eine besondere Anziehungskraft aus

Mit neun begann Perlemuter Klavier zu spielen. Zwei Jahre später wurde er von Moritz Moszkowski unterrichtet, bevor der große Alfred Cortot sein Lehrer wurde. Ab 1921 begann Perlemuter Konzerte zu geben. Weitreichende Folgen hatte die Bekanntschaft mit Maurice Ravel und dessen Werk: Nachdem Perlemuter die „Jeux d’eau“ gehört hatte, war er sofort Feuer und Flamme und widmete sich von 1925 bis 1927 dem Studium von Ravels vollständigem Werk. 1927 arbeitete er sechs Monate mit dem Komponisten in dessen Haus in Montfort-l’Amaury zusammen. Als erster Pianist führte er 1929 in zwei Konzerten das komplette Solo-Klavierwerk von Ravel auf.

1938 wurde Perlemuter zum Assistenzprofessor am Pariser Konservatorium ernannt, floh aber 1942 gemeinsam mit seiner Frau in die Schweiz, da sein Name auf einer Liste französischer Juden stand. Von Alfred Cortot, inzwischen Kommissar der Hohen Künste in der Vichy-Regierung, erhoffte sich Perlemuter Unterstützung, damit er auch in der Schweiz weiterhin Konzerte geben konnte. Doch sein ehemaliger Mentor unternahm nichts, was ihm Perlemuter nie verzeihen konnte. Er erlitt einen Zusammenbruch und musste drei Jahre in einem Sanatorium verbringen.

Vlado Perlemuter unterrichtete und konzertierte bis ins hohe Alter

Als er Ende der vierziger Jahre endlich wieder nach Paris zurückkehren konnte, setzte er seine Karriere als Pianist fort und übernahm zudem eine Lehrstelle am Pariser Konservatorium. Zu seinen berühmtesten Schülern zählen Michel Dalberto und Christian Zacharias.

1953 veröffentlichte Perlemuter in einem Buch seine Eindrücke mit Ravel unter dem Titel „Ravel d’après Ravel“. Bis ins hohe Alter konzertierte und unterrichtete er und nahm Schallplatten auf. Zu seinen Schwerpunkten zählte die Musik von Mozart, Schumann, Chopin und Ravel. Am 4. September 2002 verstarb Vlado Perlemuter mit 98 Jahren nahe Paris.

Vlado Perlemuter spielt Ravels „Gaspard de la Nuit“:

concerti-Tipp:

Historische Aufnahmen
Do. 31.5., 22:05 Uhr
Deutschlandfunk

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