Porträt Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Ganz schön lässig

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin verbindet mit den "Casual Concerts" Philharmonie und Club

© Matthias Heyde

Ein Donnerstagabend im November im Foyer der Berliner Philharmonie, es ist kurz vor acht. Die Türen zum Saal sind noch geschlossen, doch haben sich vor ihnen kleine Menschentrauben gebildet. Besonders im Parkett herrscht großer Andrang, und als der Einlass beginnt, stürmen die Gäste auf die besten Plätze.

Dass sich die Besucher beim einheitlichen Ticketpreis von 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) ihren Platz selbst aussuchen können, ist nicht die einzige Besonderheit bei den „Casual Concerts“ des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, auch der Beginn um 20:30 Uhr ist ungewohnt.

Während sich in den verbleibenden Minuten der Saal auch in den Rängen langsam füllt, herrscht das gleiche Bild auf der Bühne: In zivil schlendern die Orchestermusiker nach und nach herein, ein Cellist kommt mit Trainingsjacke, ein Bassist im Wollpullunder. Schließlich betritt Komponist und Dirigent Matthias Pintscher, leger im schwarzen Hemd, das Podium. Er dirigiert sein Werk Osiris, das mit flirrenden Streichertexturen beginnt, bald setzen Holzbläser ein, Blech und Schlagwerk sorgen für einen lauten Akzent – doch dann bricht Pintscher ab, greift zum Mikrofon und wendet sich dem Publikum zu. Lebhaft erklärt er den Konzertbesuchern sein Werk und den Osiris-Mythos, sensibilisiert die Zuhörer für seine Klangstrukturen, dreht sich wieder zum Orchester, greift sich einzelne Instrumentengruppen heraus, demonstriert Klangfarben, holt Melodien exemplarisch hervor.

Der Einblick in die Orchesterwerkstatt gehört bei den einstündigen Casual Concerts dazu. „Die Kunstwerke zählen nicht oben auf dem Denkmal, sondern die kann man anfassen, ranholen, richtig angucken, wie alles andere auch im Leben“, erklärte Ingo Metzmacher, als er das Format 2007 ins Leben rief. Seitdem erfreuen sich die „lässigen Konzerte“ beim Publikum großer Beliebtheit. Die Atmosphäre hat durchaus ihren Reiz: Zum einen wirkt hier nichts elitär, zum anderen sind die Zuhörer sehr aufmerksam und konzentriert dabei, wenn die Dirigenten oder Solisten über das Werk sprechen, bevor sie es schließlich in Gänze aufführen.

Auch Cornelius Meister hat das DSO schon im Casual Concert dirigiert. Meister, geboren 1980, wurde 2005 in Heidelberg jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands – sein Auftritt stand insbesondere für das Ziel der Reihe, ein junges Publikum zu erreichen. Dies gelingt dem DSO, doch ist zwischen Schülern und Studenten in den Reihen der Philharmonie auch die ältere Generation erstaunlich gut vertreten. „Wir kommen ganz bewusst hierher“, sagt ein Rentnerpaar und lobt die ungezwungene Atmosphäre sowie die detailreichen Ausführungen des Komponisten. Gemeinsam steht man wenige Minuten nach Ende des Konzerts unweit der Philharmonie vor dem Aufzug hinauf zum Panorama-Club „40seconds“. Hier findet stets im Anschluss die „After Concert Lounge“ statt, DJs legen klassische Musik und Jazz auf, es gibt kurze Live-Darbietungen, während man den Blick über das Kulturforum hinüber zum Potsdamer Platz schweifen lassen kann.

Auch Matthias Pintscher ist in die Lounge gekommen. Umringt von Musikerkollegen und mit einem Glas Sekt in der Hand zeigt er sich angetan von der Resonanz. „Das Publikum in den Casual Concerts will angesprochen werden, und es macht großen Spaß, die Leute an der Hand zu nehmen.“ Die Lounge ist ein durchaus angenehmer Ort, weil man sich mit Gleichgesinnten über das Gehörte austauschen, Orchestermusikern begegnen und auch mal dem Dirigenten seine Meinung sagen kann. „Statt nach dem Konzert alleine zum S-Bahnhof zu gehen und nach Hause zu fahren, lassen wir den Abend doch lieber hier ausklingen“, sagt das alte Ehepaar und macht es sich auf zwei Barhockern bequem.

CD-Tipp

Bruckner: Sinfonie Nr. 6
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Kent Nagano (Leitung)
Harmonia Mundi

Termine

Samstag, 21.09.2019 14:00 Uhr Mall of Berlin Berlin

Symphinic Mob

Christian Tetzlaff (Violine), Rundfunkchor Berlin, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati (Leitung), Shelly Kupferberg (Moderation)

Montag, 23.09.2019 15:30 Uhr Mall of Berlin Berlin
Samstag, 28.09.2019 20:30 Uhr Villa Elisabeth Berlin
Sonntag, 29.09.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Nicolas Altstaedt, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati

Walton: Cellokonzert, Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur

Montag, 30.09.2019 20:30 Uhr Philharmonie Berlin
Montag, 28.10.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Arabella Steinbacher & Diana Tishchenko, Tabea Zimmermann, Claudio Bohórquez & Daniel Müller-Schott, Martin Spangenberg, Alexandre Baty, Markus Groh & Anna Vinnitskaya, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Lawrence Foster & Andrew Litton

Schostakowitsch: Feierliche Ouvertüre op. 96, Berlioz: Konzertouvertüre „Römischer Karneval“ op. 9, Bartók: Rumänische Volkstänze Sz 68, Auszüge aus Schostakowitsch: Klavierkonzert Nr. 1 c-Moll op. 35, Beethoven: Tripelkonzert C-Dur op. 56, Bruch: Konzert für Violine, Viola & Orchester e-Moll op. 88, Brahms: Konzert für Violine, Violoncello & Orchester a-Moll op. 102

Sonntag, 03.11.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Roger Norrington

Mozart: Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 „Prager“, Martinů: Sinfonie Nr. 3

Freitag, 15.11.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati

Mozart: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543, Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 & Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter“

Samstag, 16.11.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati

Mozart: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543, Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 & Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter“

Freitag, 22.11.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Berlioz: La Damnation de Faust op. 24

Allan Clayton (Tenor), Karen Cargill (Mezzosopran), Alexander Vinogradov & Goran Jurić (Bass), Rundfunkchor Berlin, Staats- und Domchor Berlin Chor, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati (Leitung)

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