Seit der Entdeckung von Franz Liszts Opernfragment „Sardanapolo“ erscheint das Höhenplateau des Komponisten, Virtuosen und Katholiken um wesentliche Aspekte bereichert. Doch Liszts Bühnen waren nicht in Opernhäusern, sondern in Konzertsälen, historischen Monumenten und Salons. Gerade dort und im Lied – hier besser: Mélodie – findet Liszt als Nachfolger des von ihm bewunderten Franz Schubert zu packender Tiefenwirkung. Hier ereignen sich auf knappem Raum Seelendramen und verklärende Porträts. Im dritten Album von Daniel Heides Zyklus wird einmal mehr Listzs’ Kosmopolitismus deutlich. Katharina Konradi singt die kompletten Kleinode in französischer Sprache mit unbestechlicher Reinheit im Bannkreis von Heides weltweit bewunderter Telepathie für Singstimmen. Ohne gesuchte Effekte gestaltet Konradi mit innerer Ruhe und fast heiligmäßiger Selbstgewissheit. Wo Brigitte Fassbaender und Marilyn Schmiege in einen einzigen Vers von Alexandre Dumas’ Poem „Jeanne d’Arc au bûcher“ Trennschärfen von Kampf, Konflikt und Kontemplation einbinden, setzt die junge Sopranistin auf flächendeckende Leuchtkampf und Makellosigkeit. Im berühmten „Oh! quand je dors“ schimmert Konradis helles Edeltimbre mit bezwingend aparter Kühle.
Liszt: Französische Lieder
Katharina Konradi (Sopran), Daniel Heide (Klavier)
CAvi





