Tag der historischen Theater & World Opera Day

Ein Fest fürs Theater

Heute wird der „Tag der historischen Theater“ sowie der „World Opera Day“ begangen.

© gemeinfrei

Der Schwerpunkt beim „World Opera Day“ liegt auf Beethovens einziger Oper „Fidelio“

Der Schwerpunkt beim „World Opera Day“ liegt auf Beethovens einziger Oper „Fidelio“

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“, heißt es in Schillers Prolog zu „Wallenstein“, und das bedeutet bis heute: Wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler, Sängerinnen und Sänger von der Bühne des Lebens abgetreten sind, werden sie schnell vergessen. Daran haben auch die neuen Medien mit ihren Mitschnitt-Möglichkeiten wenig geändert. Theater ist live, basta. Umso wichtiger ist allerdings, dass die Theatergebäude vergangenen Glanz und den baulichen Abdruck großer Traditionen bewahren und neuen Generationen plastisch verdeutlichen. Um diese zu schützen, zu restaurieren und zu pflegen wurde 2003 die gemeinnützige Gesellschaft „Perspectiv“ gegründet. Diese hat zum Beispiel eine Route entworfen, entlang derer man zwischen Malta und Norwegen, zwischen Portugal und der Ukraine die interessantesten und am besten erhaltenen Theater besuchen kann, die zwischen 1500 und 1900 erbaut wurden. Und am „Europäischen Tag der historischen Theater“ am 25.10. warten die teilnehmenden Häuser mit besonderen Programmen und Führungen auf.

Unabhängig vom „Tag der historischen Theater“, aber ebenfalls am 25. Oktober, findet der „World Opera Day“ statt, 2019 von drei professionellen Opernverbänden – Opera America, Opera Latinoamérica und Opera Europa – ins Leben gerufen. Sie wollen damit auf die verbindende Kraft der Musik hinweisen, auf große Gefühle, weltumspannende Gedanken und auf Toleranz als elementaren Bestandteil jeder zivilisatorischen und kulturellen Leistung. Das Datum ist natürlich mit Bedacht gewählt, denn am 25. Oktober haben sowohl Georges Bizet als auch Johann Strauss (Sohn) Geburtstag. Und so sollen im Namen von Carmen und Fledermaus die Menschen überall auf der Welt für die Oper begeistert werden, wenn sie es nicht ohnehin schon sind. Vom dänischen Opernregisseur Kasper Holten gibt es in diesem Zusammenhang ein hübsches Zitat: „Ich habe immer gesagt, die Oper ist wie ein emotionales Fitnesscenter: Sie gehen dorthin, um Ihre Muskeln zu benutzen, weil Sie fitter sein wollen. Wenn Sie emotional fitter sein wollen, gehen Sie in die Oper, wo Sie wirklich intensiv trainieren können.“

© Olaf Ittershagen

Das Ekhof-Theater im Schloss Friedenstein nimmt Teil am „Tag der historischen Theater“

Das Ekhof-Theater im Schloss Friedenstein nimmt Teil am „Tag der historischen Theater“

Selbst das „Social Distancing“ geht mit Musik besser

Gerade in diesem Jahr mit der verheerenden Corona-Pandemie und ihren schlimmen Folgen erhoffen sich die Macher eine besonders schöne, direkt stärkende Wirkung für die Menschen, die so lange auf Abstand leben – und dies auch weiterhin tun müssen, um sich und andere zu schützen. Mit Musik freilich geht alles besser, selbst das „Social Distancing“. Und da in diesem Jahr der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens gefeiert wird, gibt es drei Versionen von dessen einziger Oper „Fidelio“: Am 23.10. um 19 Uhr die halbszenische Fassung der Garsington Opera, aufgenommen im September 2020 mit Toby Spence und Katherine Broderick in den Hauptrollen, begleitet vom Philharmonia Orchestra unter Douglas Boyd. Tags darauf folgt um 17 Uhr die Uraufführung einer animierten Version für junge Menschen vom belgischen Künstlerkollektiv Walpurgis sowie um 19 Uhr Graham Vicks Wandelinszenierung im Herzen einer innerstädtischen Gemeinschaft von der Birmingham Opera Company, Dirigent: William Lacey. Die Videos sind ab Ausstrahlungsbeginn mehrere Monate lang auf www.operavision.eu abrufbar.

Am 25. Oktober wird, ebenfalls via www.operavision.eu, der eigentliche „World Opera Day“ mit einem Sonderkonzert gefeiert, das in Zusammenarbeit mit „Opera for Peace – Leading Young Voices of the World“ von über dreißig Künstlern aus allen sechs Kontinenten gestaltet wird. Sie präsentieren ein vielfältiges Programm von Donizetti bis Gershwin, von Mozart bis Pablo Sorozábal, von Gluck bis Jake Heggie. Die „Opera for Peace“-Botschafter René Barbera, Nicole Car, Rihab Chaieb, Elsa Dreisig, Brian Jagde, Isabel Leonard, Luca Pisaroni, Sondra Radvanovsky und Anthony Roth Costanzo gesellen sich an diesem reichen Abend zum vielversprechenden Nachwuchs dazu. So treffen erfahrene und junge Menschen zusammen und werden der Musik als unmittelbar berührender und durch nichts zu ersetzender konkreter Utopie huldigen. Ganz im Sinne Schillers, der einst schrieb: „Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken.“

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