Werk der Woche: Schumann – Konzertstück für vier Hörner

Neue Musik für ein neues Instrument

Als Robert Schumann sein Konzertstück für vier Hörner komponierte, gab es das Ventilhorn gerade einmal seit 35 Jahren. Mit dem Werk eröffnete er ganz neue Möglichkeiten für das noch junge Instrument

Symbolbild Ventilhorn © shutterstock

Symbolbild Ventilhorn

„Niemals war ich tätiger, nie glücklicher in der Kunst“, schrieb Robert Schumann über sein produktives Jahr 1849. „Manches habe ich zum Abschluss gebracht, mehr noch liegt an Plänen für die Zukunft vor.“ Neben dem bekannten Adagio und Allegro, das Hornisten und Cellisten heutzutage gleichermaßen für sich beanspruchen, brachte Schumann ein weiteres, eher ungewöhnliches Werk zum Abschluss: das Konzertstück für vier Hörner. Das damals noch sehr junge Ventilhorn, erfunden 1814, fand anfangs wenig Beachtung und galt wie sein Vorgänger, das Naturhorn, als Orchesterinstrument und nicht als solistisches. Vielleicht bezeichnete Schumann deswegen sein Werk in einem Brief als „etwas ganz curioses“.

Während man mit dem Naturhorn nur bestimmte Tonarten rein spielen konnte, ermöglichte das Ventilhorn auch das chromatische Spiel. Schumann nutzte diese neuen Möglichkeiten und schöpfte sie in seinem Konzertstück voll aus, indem er sich einer völlig freien Chromatik bediente und viele Läufe einbaute. Damit eröffnete er bis dahin undenkbare virtuose Partien für das Instrument. „Für uns ist Schumanns Konzertstück für vier Hörner etwas ganz Besonderes“, erklärt Amanda Kleinbart, Hornistin beim NDR Elbphilharmonie Orchester, „denn es gibt zum Einen weniger Literatur für Horn und Orchester als für Klavier oder Violine, und zum Anderen ist es für alle vier Hornisten gleichermaßen eine Herausforderung.“

Konzertstück für vier Hörner: Große Anforderungen an alle Solisten

Auch wenn sich durch dieses neue Instrument neue Möglichkeiten auftun: Technisch stellt das Werk große Anforderungen an alle vier Solisten, denn nicht nur die hohen Hörner (das erste und dritte Horn) spielen anspruchsvolle Passagen, sondern auch die zwei tieferen. Obwohl das erste Horn häufig eine Art Führungsrolle übernimmt, werden die Motive auch in den anderen Stimmen wiederholt und untereinander abgewechselt. „Das Horn wird normalerweise als lyrisches Instrument betrachtet, nicht als virtuoses. Aber bei diesem Stück müssen die Hornisten technisch sauber und hoch virtuos spielen“, erzählt Kleinbart. Auch Mathias Husmann betont in seinen „99 Präludien fürs Publikum“: „Die Solopartien sind sehr anspruchsvoll: in allen Registern – von der geheimnisvollen Tiefe über die warme, romantische Mittellage bis zur blendenden Höhe – werden Beweglichkeit, Sensibilität und Kraft verlangt.“

Beginn des Konzertstücks für vier Hörner op. 86

Beginn des Konzertstücks für vier Hörner op. 86 © gemeinfrei

Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass das erste Horn sehr hohe Töne spielen muss – so hoch, dass in Konzerten teilweise andere Instrumente genutzt werden, beispielsweise das Diskanthorn. Auch damit sprengte Schumann musikalische Grenzen. „Ich glaube, dass sich viele Komponisten nicht wirklich an das Instrument herangetraut haben“, erzählt die Hornistin weiter. „Sibelius hat beispielsweise kein Werk für Solohorn geschrieben und auch die Orchesterpassagen sind für das Instrument immer recht einfach zu spielen. Bei Schumann hingegen sind auch diese kompliziert.“

Das Niveau der Hornisten ist enorm gestiegen

Trotz aller Anforderungen an die Solisten ist das Konzertstück für vier Hörner sehr beliebt und wird regelmäßig gespielt. Das liege auch daran, dass sich das Niveau der Hornisten enorm gesteigert habe und es mittlerweile viel mehr Literatur für das Instrument gebe, verrät Amanda Kleinbart. „Zu Schumanns Zeiten gab es weniger Musiker, die auf diesem Niveau Horn spielen konnten. Heute gehört das für uns zum täglich Brot.“

Die wichtigsten Fakten zu Schumanns Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86:

Orchesterbesetzung:

Vier Ventilhörner, Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Waldhörner, Trompeten, Posaunen, Streicher

Sätze:

1. Lebhaft
2. Ziemlich langsam, doch nicht schleppend
3. Sehr lebhaft

Aufführungsdauer:

Ca. 19 Minuten

Uraufführung:

Die Uraufführung fand am 25. Februar 1850 im Gewandhaus Leipzig statt.

Referenzeinspielung:

Schumann: Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86
Bayerisches Staatsorchester, Kent Nagano (Leitung)

Das Bayerische Staatsorchester, als Opernorchester der Bayerischen Staatsoper auf die Feinheiten oder Komplexität mancher Partitur geschult, schafft es auch in Schumanns Konzertstück für vier Hörner die jeweilige Stimmung der einzelnen Sätze zu verstehen und umzusetzen. Kent Nagano, der häufig zu Gast in München ist, versteht gekonnt die agile Horngruppe des Orchesters in den Vordergrund zu rücken, ohne sie dabei zu erscheinen zu lassen.

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