Verdi: Rigoletto

(UA Venedig 1851)

„Situazioni potentissimi!“, rief Verdi begeistert – „kraftvolle Situationen!“ Es schreckte ihn nicht ab, dass das Versdrama „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo gleich nach der Premiere in Frankreich verboten worden war – dafür bekam er es nun mit der österreichischen Zensur zu tun: Ein lüsterner Herzog, der sich nachts inkognito herumtreibt? Die Leiche eines Mädchens in einem Sack? Ein Krüppel auf der Bühne? „Ekelhafte Amoralität und obszöne Trivialität!“, lautete das Urteil.

Rigoletto, der missgestaltete Hofnarr, ist ein amoralischer seelischer Krüppel: Er verhöhnt Graf Monterone, der die Entehrung seiner Tochter durch den Herzog von Mantua anprangert, versucht aber seinerseits, die ängstlich gehütete eigene Tochter Gilda vor gleichem Schicksal zu bewahren ...

Mit dem Fluch des Monterone gegen den hochmütigen Rigoletto beginnt die Oper – ein düsteres Blechbläserthema, das Rigoletto nicht vergessen kann ...

Gegensätzliche kraftvolle Situationspaare:

- die glänzende Festszene – mit einer „Banda“ (eine Militärkapelle hinter der Bühne) und das zwielichtige Gespräch zwischen Rigoletto und dem Meuchelmörder Sparafucile  – Cello und Kontrabass singen dazu eine böse Melodie,

- das väterlich besorgte Duett Rigolettos mit Gilda, die ihm ihren Verehrer verheimlicht, und das ungestüme Liebesduett Gildas mit dem armen Studenten Gualtier Malde (alias der Herzog),

- der perfide Chor der Höflinge, die Gilda entführt haben, und die verzweifelte Arie des Rigoletto, der seine Tochter sucht – sie wird eine Tür weiter vom Herzog verführt,

- das „klassische“ Quartett im nächtlichen Mantua – Verdi probte es einhundertfünfzigmal, und die wilde Gewitterszene – mit schaurigen Chorvokalisen im Hintergrund, die das Heulen des Sturms und das Unheilvolle des Geschehens ausdrücken.

Die berühmte Tenorarie La Donna e mobile fügte Verdi erst kurz vor der Premiere ein – die Spatzen sollten sie nicht schon von den Dächern pfeifen.

Rigoletto wurde noch im Jahr der Uraufführung an sämtlichen italienischen Opernhäusern nachgespielt, es folgten Buenos Aires, New York, Tiflis, Braunschweig, Alexandria und Konstantinopel – es war der erste „Welterfolg“ einer Oper!

(Mathias Husmann)

Werk der Woche – Verdi: Rigoletto

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