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András Schiff spielt „Die Kunst der Fuge“

Unvollendete Vollendung

Im Casals Forum Kronberg interpretiert András Schiff einen Meilenstein der Musikgeschichte: Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“.

vonBenjamin Elsholz,

Seit Jahren wird über eine verrohte und polarisierte gesellschaftliche Debattenkultur geklagt. Der Pianist András Schiff empfiehlt ein ungewöhnliches Vorbild für einen besseren gemeinschaftlichen Austausch: die Fuge. Denn in einer Fuge erklingt ein Thema nacheinander in allen Stimmen, wird variiert, gespiegelt und in neue harmonische Zusammenhänge geführt. Das Potenzial dieser Kompositionsform wurde nie weiter ausgeschöpft als bei Johann Sebastian Bach, der am Ende seines Lebens 14 Fugen über ein einziges Thema schuf – „Die Kunst der Fuge“. Weil Bach die letzte Fuge nicht mehr vollenden konnte, existieren heute zahlreiche Versuche, sie nachträglich zu vervollständigen. András Schiff wählt einen anderen Weg. Er bricht das Werk nach rund 90 Minuten genau dort ab, wo Bachs Noten enden. Für den ungarischen Pianisten, den Bachs Musik seit seiner Kindheit begleitet, ist dieses unvollendete Monument ein musikalischer Fluchtpunkt. Erst mit 70 Jahren fühlte er sich reif, es im Konzert zu spielen. Gut kann sich Schiff vorstellen, dass seine Bühnenkarriere eines Tages darin mündet, sich nur noch diesem Werk zu widmen.

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